Domleschg GR transportiert Trinkwasser per Lastwagen gegen Wasserknappheit
Die Bündner Gemeinde Domleschg will Trinkwasser mit Lastwagen aus dem Tal in die Bergdörfer Feldis und Scheid transportieren, um die Wasserversorgung im Winter zu sichern. Grund ist die sinkende Quellschüttung seit dem Sommer: Das Wasser reicht in Feldis noch bis Anfang November, in Scheid bis Mitte Dezember.
Seit Juni kämpft die Gemeinde mit Wasserknappheit. Die Situation verschärfte sich in den vergangenen Monaten in Feldis und Scheid dramatisch. Am Montagabend informierte die Gemeinde die Bevölkerung über ihre Notlösung: Sie mietet einen Lastwagen und zwei Trinkwassersilos. Pro Fahrt können rund 25'000 Liter transportiert werden. «Mit dieser Massnahme können wir garantieren, dass aus dem Wasserhahn weiterhin ständig Wasser verfügbar ist», erklärte Gemeindepräsident Pius Giger. Im absoluten Notfall könnten sechs bis acht Fahrten das Wassernetz in Feldis und Scheid stützen. Der normale Tagesverbrauch liegt in Scheid bei rund 50 bis 60 Kubikmeter (50'000 bis 60'000 Liter) und in Feldis bei etwa 60 Kubikmeter.
Diese Massnahme ist in der Gemeinde noch nie ergriffen worden. Andere Wassersparmassnahmen wie das Abstellen von Dorfbrunnen seien aber bereits mehrmals getroffen worden. Die Kosten fallen gemäss Giger relativ moderat aus, weil die Gemeinde einen Mitarbeiter mit Lastwagenprüfung hat und nur Fahrzeug und Silos mieten muss. Teurer wird es über die Festtage: Dann steigt der Wasserverbrauch in Feldis auf rund 200 Kubikmeter pro Tag, mehr als das Dreifache des üblichen Bedarfs. Die Notlösung soll die Versorgung bis im Frühling sicherstellen, wenn die Quellfassung saniert wird.
Rund hundert Personen informierten sich an einem Informationsabend. Die meisten zeigten laut einer Umfrage Verständnis für die Sparappelle. Mehrere Einwohnerinnen und Einwohner äusserten aber Sorgen über die weitere Entwicklung und fragten sich, ob sich auch Gäste an die Sparvorgaben halten. Hoteliére Karin Huber aus Feldis sagte: «Unser Hotel ist abhängig vom Wasser – in der Küche, die Hotelzimmer. Am Gast kann ich nicht einfach sagen er dürfe nicht mehr duschen gehen.» Nach der Informationsveranstaltung sei sie aber etwas beruhigt, man schaffe es, «wenn alle ein bisschen zusammenarbeiten und zusammenhalten».
Giger betont, dass die Informationsveranstaltung nicht dazu diente, den Menschen Angst zu machen, sondern um Sicherheit zu vermitteln. Langfristig müsse aber neu gedacht werden: «Bis jetzt war immer vom Wasserschloss Schweiz und insbesondere Graubünden die Rede und jetzt sagen die Behörden plötzlich, dass das Wasser knapp wird. Das ist eine Herausforderung, mit welcher sich sowohl die Bevölkerung als auch die Politik auseinandersetzen müssen.»
Quellen
blue News: Gemeinde in Graubünden geht das Wasser aus – so steht es um die Versorgung in der Schweiz
20 Minuten: LKW muss Bündner Gemeinde mit Wasser versorgen
SRF News: Wasserknappheit im Domleschg – Wenn das Trinkwasser mit Lastwagen ins Dorf kommt
SRF News: Wasserknappheit im Domleschg – Quellen versiegen – Trinkwasser muss per LKW geliefert werden
Nau.ch: Domleschg GR: Gemeinde braucht bald Wasser per Lastwagen
Nau.ch: Domleschg GR plant Trinkwasserlieferungen mit Lastwagen