FIFA-Präsident Infantino soll 1,76 Millionen Dollar von WM-Organisationsgesellschaft erhalten haben – ohne Deklaration
Gianni Infantino, Präsident der FIFA, soll 2024 zusätzlich zu seinem offiziellen Lohn von 4,274 Millionen Franken weitere 1,76 Millionen Dollar von der WM-Organisationsgesellschaft FWC2026 erhalten haben, ohne dass die FIFA dies in ihrem Jahresbericht 2024 offenlegte. Die FIFA-Statuten verlangen seit 2016 die Offenlegung aller Vergütungen des Präsidenten.
Die nicht deklarierten Zahlungen stehen in einer öffentlich einsehbaren US-Steuererklärung der Gesellschaft FWC2026 US Inc, fehlen aber im FIFA-Jahresbericht. Mehr als 600'000 Dollar der 1,76 Millionen sollen als «sonstige meldepflichtige Vergütung» verbucht worden sein und die Miete einer Villa auf den Sunset Islands in Miami finanziert haben, einer der exklusivsten Gegenden von Miami Beach. Ein Sprecher des Vermieters bestätigte, Infantino habe drei Jahre lang Marktmiete bezahlt. Laut Quellen der «Times» sollen für 2025 und 2026 ähnliche Beträge geflossen sein.
Miguel Maduro, früherer Vorsitzender des FIFA-Governance-Komitees, bezeichnete den Vorgang als «klaren Verstoss gegen die FIFA-Statuten» und forderte eine unabhängige Untersuchung. Generalsekretär Mattias Grafström und CONCACAF-Präsident Victor Montagliani, der den Verwaltungsrat der Gesellschaft leitet, erhielten von FWC2026 nichts. Die FIFA wies einen Verstoss gegen die Statuten zurück und betonte, sie erfülle alle Meldepflichten, liess aber offen, warum die Zahlungen im Jahresbericht fehlen.
Zusätzlich berichtet die «New York Times» über ein knapp 465 Quadratmeter grosses Büro der FIFA auf der 17. Etage des Trump Towers in New York. Der Mietvertrag läuft über mehr als sieben Jahre und kostet insgesamt rund vier Millionen Dollar. Laut aktuellen und früheren FIFA-Mitarbeitern stehen die Räume grösstenteils leer und werden hauptsächlich für Treffen und Anlässe während der Uno-Generalversammlung genutzt. Den Entscheid habe Infantino getroffen. Intern habe es Bedenken gegeben wegen der Nähe zu Trump, des steuerlich teuren Bundesstaats und weil kein klarer Bedarf bestand. Die FIFA sagt, sie zahle Marktmiete und der Vertrag sei rechtmässig zustande gekommen. Miguel Maduro sieht hingegen einen klaren Interessenkonflikt.
Im Oktober 2025 erwarb eine Gesellschaft namens Shadi LLC ein Apartment in Miami für 8,6 Millionen Dollar. Verkäufer war Salsa-Sänger Marc Anthony, der vier Monate zuvor zum FIFA-WM-Botschafter ernannt worden war. Laut «Times» stehen die Anfangsbuchstaben von «Shadi» für Infantinos Töchter, ergänzt um ein «i» für Infantino. Die FIFA erklärte, sie trage zu keinem Immobilienerwerb ihrer Funktionäre bei.
Quellen
Nau.ch: Fifa-Boss Gianni Infantino soll geheimes Zweitgehalt kassiert haben
Blick: «Times»-Bericht enthüllt mutmassliche Zusatzzahlung an Infantino
NZZ: Europa sucht Material gegen Gianni Infantino: Nicht deklarierte Lohnbestandteile stehen zur Debatte
watson: Leeres Büro, verschwiegenes Gehalt: Neue Vorwürfe gegen FIFA-Chef Infantino
Tages-Anzeiger: Neue Enthüllung: Gianni Infantino soll vor der WM eine nicht deklarierte Zahlung von 1,72 Millionen Dollar erhalten haben