UBS prüft Notfallpläne für möglichen Wegzug aus der Schweiz
Die UBS bereitet sich auf verschiedene Szenarien vor, falls die Schweiz die Kapitalvorschriften für Grossbanken verschärft. Zu den geprüften Optionen gehören eine Verlegung des Hauptsitzes in die USA, die Übernahme eines US-Finanzinstituts, eine Fusion mit einem europäischen Konkurrenten oder ein Verkauf an eine US-Bank.
Die Bank reagiert damit auf geplante strengere Kapitalvorschriften, die im Zuge der Credit-Suisse-Krise entwickelt wurden. Der Ständerat hat sich dafür ausgesprochen, dass die UBS für ihre ausländischen Tochtergesellschaften zusätzliches hartes Kernkapital (CET1) bereitstellen muss. Die Beteiligungen sollen künftig zu 100 Prozent mit diesem Kapital unterlegt werden, bisher gilt eine Mindestanforderung von 60 Prozent. Für die UBS könnte dies je nach Berechnung einen zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 20 Milliarden US-Dollar bedeuten.
Die Bank lehnt die Vorgabe ab und argumentiert, eine vollständige Unterlegung sei «unverhältnismässig und würde ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit schwächen». Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher erklärte, die Bank werde ihre Zukunft in der Schweiz prüfen, falls die neuen Regeln zu weit gingen. Ziel bleibe jedoch ein «Schweizer Kompromiss», der der UBS den Verbleib im Land ermögliche. Konzernchef Sergio Ermotti betonte gegenüber CNBC, ein Verbleib in der Schweiz sei sowohl für die Schweizer Wirtschaft als auch für die Aktionäre sinnvoll.
Der US-Investor Artisan Partners erhöhte Anfang Oktober den Druck auf die UBS und forderte einen Wegzug aus der Schweiz. Artisan schätzt den zusätzlichen Bedarf an hartem Kernkapital auf rund 16 Milliarden US-Dollar und bezeichnete die geplanten Vorschriften als «strafend». Experten halten einen tatsächlichen Wegzug jedoch für unwahrscheinlich. Bankexperte Simon Amrein verweist auf die Vorteile des Finanzplatzes wie politische und wirtschaftliche Stabilität, eine starke Währung, qualifizierte Fachkräfte und etablierte Infrastruktur. Bankenrechtsexperte Peter V. Kunz erwartet keinen Wegzug und sieht die Diskussion vor allem als politisches Abschreckungsszenario.
Quellen
20 Minuten: Verlässt die UBS die Schweiz? 3 Szenarien stehen im Raum
Nau.ch: UBS prüft Wegzug aus Schweiz – nach New York
blue News: UBS-Wegzug: Bericht nennt US-Übernahme und Fusion als Optionen
Blick: UBS schmiedet konkrete Notfallpläne für Wegzug aus der Schweiz
Blick: UBS schmiedet laut US-Medien konkrete Notfallpläne für Wegzug aus der Schweiz