UBS prüft Notfallpläne für möglichen Wegzug wegen strengerer Kapitalvorschriften
Die UBS bereitet sich auf verschiedene Szenarien vor, falls die Schweiz die Kapitalvorschriften für Grossbanken verschärft. Zu den geprüften Optionen gehören eine Verlegung des Hauptsitzes in die USA, die Übernahme eines US-Finanzinstituts, eine Fusion mit einem europäischen Konkurrenten oder ein Verkauf an eine US-Bank.
Die Notfallpläne entstehen vor dem Hintergrund der geplanten «Lex UBS». Diese Regelung soll eine Schwachstelle beseitigen, die nach dem Untergang der Credit Suisse 2023 deutlich wurde: Beteiligungen des Schweizer Stammhauses an ausländischen Tochtergesellschaften könnten im Krisenfall hohe Verluste verursachen. Der Ständerat hat sich dafür ausgesprochen, dass die UBS für ihre ausländischen Tochtergesellschaften künftig 100 Prozent ihres Kapitals mit hartem Kernkapital (CET1) unterlegen muss – bisher gilt eine Mindestanforderung von 60 Prozent. Dies könnte für die UBS je nach Berechnung einen zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 16 bis 20 Milliarden US-Dollar bedeuten.
Die UBS lehnt die Vorgabe ab und argumentiert, eine vollständige Unterlegung sei «unverhältnismässig und würde ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit schwächen». Konzernchef Sergio Ermotti erklärte gegenüber CNBC, ein Verbleib in der Schweiz sei sowohl für die Schweizer Wirtschaft als auch für die Aktionäre sinnvoll. Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher betonte, die Bank werde ihre Zukunft in der Schweiz prüfen, falls die neuen Regeln zu weit gingen. Ziel bleibe jedoch ein «Schweizer Kompromiss», der der UBS den Verbleib im Land ermögliche.
Auch der US-Investor Artisan Partners erhöhte Anfang Oktober den Druck auf die UBS und forderte einen Wegzug aus der Schweiz, wobei er die geplanten Vorschriften als «strafend» bezeichnete. Experten halten einen tatsächlichen Wegzug jedoch für unwahrscheinlich. Bankexperte Simon Amrein verweist auf die Vorteile des Finanzplatzes wie politische und wirtschaftliche Stabilität, eine starke Währung, qualifizierte Fachkräfte und etablierte Infrastruktur. Bankenrechtsexperte Peter V. Kunz erwartet keinen Wegzug und sieht die Diskussion vor allem als politisches Abschreckungsszenario.
Quellen
Blick: Die Notfallpläne der UBS – diese Szenarien gibt es
20 Minuten: Verlässt die UBS die Schweiz? 3 Szenarien stehen im Raum
Nau.ch: UBS prüft Wegzug aus Schweiz – nach New York
blue News: UBS-Wegzug: Bericht nennt US-Übernahme und Fusion als Optionen
Blick: UBS schmiedet konkrete Notfallpläne für Wegzug aus der Schweiz
Blick: UBS schmiedet laut US-Medien konkrete Notfallpläne für Wegzug aus der Schweiz