Alberta sagt klar Nein zur Abspaltung von Kanada – rund 77 Prozent dagegen
In der kanadischen Provinz Alberta hat sich bei einem nicht bindenden Referendum eine klare Mehrheit gegen Schritte zur Loslösung von Kanada ausgesprochen. Nach Auszählung von über einer Million Stimmen votierten nur rund 23 Prozent für den Beginn eines Trennungsprozesses.
Die Stimmberechtigten entschieden am Montag darüber, ob die Provinz Teil Kanadas bleiben soll oder ob ein Prozess eingeleitet werden soll, der zu einem rechtlich bindenden Referendum über eine Abspaltung führt. Das Referendum war von der rechtsgerichteten Regierungschefin Danielle Smith initiiert worden, nachdem ein Richter ein geplantes Bürgerreferendum wegen verfassungsrechtlicher Bedenken gestoppt hatte. Zusätzlich wurden neun weitere Fragen zur Einwanderung und zur Verfassung gestellt.
Die Öffnungszeiten der Wahllokale wurden wegen Verzögerungen teils verlängert. Hochrechnungen bestätigten den Ausgang laut Berichten bereits kurz nach Schliessung der Wahllokale. Das Ergebnis deckt sich mit den Erwartungen der Meinungsforschenden, die einen Sieg der Separatisten im Vorfeld ausgeschlossen hatten. Die Abstimmung war keine direkte Entscheidung über die Unabhängigkeit, sondern die Weichenstellung für ein allfälliges künftiges Referendum. Umfragen hatten zuletzt rund 70 Prozent für den Verbleib und rund 20 Prozent dagegen gesehen.
Premierminister Mark Carney hatte die Bevölkerung vor der Abstimmung im Onlinedienst X aufgerufen: «Gehen Sie heute zur Wahl, stimmen Sie für Kanada». Nach dem Ergebnis schrieb er, Kanada sei «so viel mehr als die Summe seiner Teile». Smith erklärte, die Einwohner Albertas hätten für «ein stärkeres Alberta in einem vereinten Kanada» gestimmt. Der führende Separatist Keith Wilson sagte, die Debatte über Albertas Platz in Kanada werde weitergehen. Das Ergebnis stärkt Carney im Handelsstreit mit den USA und angesichts wiederholter Annexionsdrohungen von US-Präsident Donald Trump. Die US-Regierung hatte die Unabhängigkeitsbewegung unterstützt, Separatisten waren vor einigen Monaten im Aussenministerium in Washington empfangen worden.
Die Bewegung wird laut Berichten vor allem von wirtschaftlichen Beschwerden angetrieben, anders als in Québec, wo sie primär auf Sprache und Kultur gründet. Viele Bürger werfen der Zentralregierung in Ottawa vor, die Ölindustrie durch strenge Umweltauflagen auszubremsen. Zudem herrsche das Gefühl, dass die Provinz mehr zur Föderation beitrage, als sie zurückerhalte. Etliche Befürworter wollten mit ihrer Stimme laut Umfragen vor allem eine Protestbotschaft an die Zentralregierung senden. Das endgültige Ergebnis soll am 29. Oktober veröffentlicht werden.
Quellen
Tages-Anzeiger: Nach Abstimmung in Alberta: Starker Premier, geeintes Kanada: Mark Carney hat etwas, was Merz und Macron leider fehlt
Nau.ch: Klare Mehrheit in Alberta gegen Unabhängigkeit von Kanada
blue News: Klare Mehrheit in Alberta gegen Unabhängigkeit von Kanada
SRF News: Unabhängigkeitsbewegung – Klares Votum für die Einheit: Alberta sagt nein zur Abspaltung
SRF News: Unabhängigkeitsbewegung – Klares Votum für die Einheit: Alberta will in Kanada bleiben
blue News: Alberta will bei Kanada bleiben – deutliche Abfuhr für Separatisten
20 Minuten: Klare Ansage aus Alberta: Abspaltung von Kanada wohl gescheitert
NZZ: Die Provinz Alberta hat darüber abgestimmt, ob sie Teil Kanadas bleiben will. Das Ergebnis ist wohl deutlich
zentralplus: Kanada: Alberta stimmt gegen Abspaltung
Tages-Anzeiger: Abstimmung: Mehrheit der Wähler in Alberta gegen Loslösung von Kanada
Tages-Anzeiger: Abstimmung in Alberta: Die Einheit Kanadas bröckelt – das dürfte Trump gefallen
blue News: Kanada: Provinz Alberta stimmt über mögliche Abspaltung ab
Nau.ch: Kanada: Provinz Alberta stimmt über mögliche Abspaltung ab
Nau.ch: Kanadische Provinz Alberta stimmt über mögliche Abspaltung ab