Tierhalterin wehrt sich gegen Beschlagnahme von 53 Tieren – Veterinärdienst kündigt Strafanzeige an
Nach der Beschlagnahme von 13 Pferden und 40 Hunden durch den Aargauer Veterinärdienst am 7. Oktober wehrt sich die Halterin gegen die Vorwürfe und behauptet, es habe keinen Grund für die Massnahme gegeben. Die Behörden dokumentieren jedoch wiederholte Verstösse gegen das Tierschutzgesetz und kündigten eine Strafanzeige an.
Der Veterinärdienst des Kantons Aargau beschlagnahmte die Tiere auf einem Hof in Oberhof im Fricktal, nachdem die Halterin ein im Februar 2026 verhängtes umfassendes Tierhalteverbot missachtet hatte. Das Verbot untersagte der Frau schweizweit, Tiere zu halten, zu betreuen oder zu züchten. Sie hätte ihre Tiere bis zum 15. Juli 2026 abgeben müssen, kam dieser Aufforderung aber nicht nach.
Bei der Beschlagnahme stellte der Veterinärdienst erneut Verstösse gegen die Tierschutzgesetzgebung fest: zu wenig Einstreu und fehlendes Liegematerial, fehlendes Trinkwasser für die Hunde, mangelhafte Sozialisierung der Hunde sowie Pflegemängel bei den Pferden. Die Hunde waren sehr isoliert gehalten und teilweise nicht einmal an ein Halsband gewöhnt. Bei den Pferden fehlte es in den Stallungen teilweise an ausreichend Einstreu und Liegematerial, die Boxen waren zu dunkel. Bereits im Februar hatte der Veterinärdienst verschiedene Mängel dokumentiert: morastige Auslaufböden, mangelhafte Pflege, ungenügend eingestreute Liegeflächen, zu dunkle oder zu kleine Boxen sowie unzureichende Fütterung.
Ein Pferd musste wegen seines schlechten Gesundheitszustands infolge alter, vermutlich unbehandelter Verletzungen an den Beinen eingeschläfert werden. Die Halterin kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen und fragt: «Nur weil er nicht mehr so rund gelaufen ist. War das ein Grund, ihn einzuschläfern?» Auch als ihr Fotos der Verletzungen gezeigt wurden, blieb sie bei ihrer Darstellung.
Die stellvertretende Kantonstierärztin Melanie Kocher erklärt gegenüber SRF, die Tierhalterin kooperiere aufgrund ihrer Ideologie nicht mit den Behörden und halte sich an keine Auflagen. Dies habe sich über die Jahre negativ auf das Wohlbefinden der Tiere ausgewirkt. Keiner der relativ jungen Hunde habe Papiere oder sei registriert. Die Behörden hätten erst im Oktober eingegriffen, weil es vorher nicht genügend Plätze für die Pferde gegeben habe; ein Grund sei die Futterknappheit gewesen.
Die Halterin äussert sich ablehnend zu Tierimpfungen, Entwurmungen und der Kennzeichnung von Tieren mit Mikrochips. Sie will nun dafür kämpfen, ihre Tiere zurückzubekommen. Der Veterinärdienst zeigt sich unter bestimmten Bedingungen gesprächsbereit: Sollte die Halterin künftig mit den Behörden zusammenarbeiten, könnte sie einige wenige Hunde behalten dürfen. Vier Hunde liess man ihr vorerst auf dem Hof.
Die beschlagnahmten Tiere werden tierärztlich versorgt und befinden sich in geeigneten Einrichtungen. Die Hunde sind in einem Tierheim untergebracht, die Pferde in einer geeigneten Institution. Sie werden später an dauerhafte Plätze vermittelt. Der Veterinärdienst hatte ursprünglich eine Tierschutzorganisation um Unterstützung gebeten, da keine Zusammenarbeit zustande kam, organisiert der Kanton die Vermittlung selbst. Die gesamten Kosten des Einsatzes trägt die Halterin, einschliesslich der Kosten für Beschlagnahme, Tierarzt und Unterbringung. Der Veterinärdienst kündigte eine Strafanzeige wegen Verstössen gegen das Tierschutzgesetz an.
Quellen
20 Minuten: «Gab keinen Grund»: 53 Tiere beschlagnahmt – Halterin wehrt sich
SRF News: Tierschutzfall – Aargauer Veterinärdienst beschlagnahmt 53 Tiere im Fricktal
Blick: Veterinärdienst beschlagnahmt 13 Pferde und 40 Hunde auf Hof
zentralplus: AG: Veterinäramt beschlagnahmt 53 Tiere
Basler Zeitung: Zu wenig Trinkwasser und schlechte Pflege: 13 Pferde und 40 Hunde auf Hof beschlagnahmt
blue News: Fricktal: 13 Pferde und 40 Hunde beschlagnahmt – Tierhalteverbot missachtet
Nau.ch: Auf Hof im Fricktal: Veterinärdienst beschlagnahmt 53 Tiere
20 Minuten: Veterinäramt beschlagnahmt 13 Pferde und 40 Hunde von Hof