Chinas Wirtschaft wächst im dritten Quartal um 4,5 Prozent
Chinas Bruttoinlandsprodukt ist von Juli bis September um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen und hat damit die Erwartungen leicht übertroffen. Das Wachstum wird vor allem durch einen Exportboom getrieben, während die Binnenwirtschaft durch eine anhaltende Immobilienkrise belastet bleibt.
Das chinesische Statistikamt in Peking gab die Wachstumszahlen bekannt. Im zweiten Quartal hatte das Wachstum noch 4,3 Prozent betragen, nach 5,0 Prozent zum Jahresauftakt. Volkswirte hatten für das dritte Quartal mit einem Plus von 4,4 Prozent gerechnet. Für die ersten neun Monate des Jahres meldete das Statistikamt ein Wachstum von 4,6 Prozent. Damit bewegt sich China innerhalb des Wachstumsziels der Regierung von 4,5 bis 5 Prozent für das Gesamtjahr. Statistikamtssprecher Mao Shengyong zeigte sich zuversichtlich, dass China sein Jahresziel erreichen kann, und erwartete für das Schlussquartal eine Verbesserung.
Der Exportboom ist der Haupttreiber des Wachstums. In den ersten neun Monaten stiegen die Exporte in US-Dollar gerechnet um 21,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, im September sogar um 36,3 Prozent. Besonders die weltweite Nachfrage nach Technologieprodukten wie Halbleitern und Elektronik für künstliche Intelligenz treibt das Geschäft an. China verkaufte Waren für rund 938 Milliarden US-Dollar (etwa 773 Milliarden Franken) mehr ins Ausland, als es von dort bezog. Der riesige Handelsüberschuss sorgt zunehmend für Spannungen mit wichtigen Handelspartnern, besonders in Europa wächst die Sorge, dass günstige chinesische Produkte heimische Hersteller unter Druck setzen. Die Industrieproduktion grösserer Betriebe stieg im September um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Im Inland zeigt sich ein deutlich schwächeres Bild. Viele Verbraucher halten sich mit grösseren Anschaffungen zurück, obwohl die Einzelhandelsumsätze im September um 1,1 Prozent stiegen. Die Investitionen sind besonders schwach: Die sogenannten Anlageinvestitionen gingen von Januar bis September um 7,2 Prozent zurück. Die Immobilienkrise ist ein Hauptproblem. Die Investitionen in die Immobilienentwicklung brachen in den ersten neun Monaten um 20,6 Prozent ein. Sinkende Wohnungspreise verunsichern die Haushalte, während Bauunternehmen weniger investieren. Auch den Städten fehlt Geld, weil sie mit dem Verkauf von Grundstücksrechten weniger einnehmen als früher.
Die Regierung versucht gegenzusteuern. Seit Oktober gibt es unter bestimmten Voraussetzungen staatliche Zinszuschüsse für neue Kredite zum Kauf einer ersten Wohnung.
Quellen
NZZ: Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten: Chinas Exporte gehen durch die Decke, die Konsumenten üben Zurückhaltung
Tages-Anzeiger: Zweitgrösste Volkswirtschaft: Chinas Wirtschaft wächst etwas schneller – Probleme bleiben
20 Minuten: Chinas Wirtschaft wächst etwas schneller – Probleme bleiben
zentralplus: China: Wirtschaft wächst stärker
Nau.ch: Chinas Wirtschaft wächst wieder etwas schneller
blue News: Chinas Wirtschaft wächst wieder etwas schneller