Genfer Sudan-Treffen bringt keinen Durchbruch – Drohnen töteten über 1100 Menschen
Beim Koordinierungstreffen in Genf haben Vermittler und die UNO im Sudan-Krieg keinen Durchbruch erzielt. Die Regierung und die Miliz Rapid Support Forces (RSF) waren nicht vertreten; UNO-Gesandter Pekka Haavisto sprach von «Minischritten».
An dem Treffen in Genf nahmen rund 80 Vertreter von Regierungen und Organisationen teil, darunter die USA, China, Deutschland, Ägypten, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate. Neue Initiativen oder eine Entscheidung wurden nicht verkündet. Es ging darum, zwischen den Konfliktparteien vertrauensbildende Massnahmen zu vermitteln, etwa den Austausch von Kriegsgefangenen. Der Schweizer Diplomat Tim Enderlin sagte zum Abschluss: «Wir müssen zum Wohl des sudanesischen Volkes zusammenarbeiten.» Eine gemeinsame Erklärung zu einem koordinierten Vorgehen gab es nicht.
Haavisto berichtete, dass erstmals auch die Umweltzerstörung durch den Konflikt zur Sprache gekommen sei. Er sprach von «erstmals wirklich intensiven Gesprächen». Nicht vertreten waren die sudanesische Armee und die paramilitärische Miliz RSF. Beide setzen laut den Berichten noch immer auf einen Sieg auf dem Schlachtfeld oder darauf, mit Gewalt ihre Ausgangsposition zu verbessern. Die Vereinigten Arabischen Emirate gelten als Waffenlieferant der RSF.
Regierung und RSF kämpfen seit April 2023 um die Vorherrschaft im Sudan und um wirtschaftliche Interessen. Zehntausende Menschen wurden getötet, mehr als 14 Millionen vertrieben. Die UNO spricht von einer der schwersten humanitären Krisen weltweit. Drohnenangriffe haben das Kriegsgeschehen in diesem Jahr dramatisch verändert: Laut dem UN-Menschenrechtsbüro kamen allein in den ersten sechs Monaten mehr als 1100 Menschen ums Leben. Anfang der Woche wurde ein belebter Markt an der Grenze zum Südsudan angegriffen, dabei sollen Dutzende Menschen gestorben sein. Auch Gebiete in der Hauptstadt Khartum nahe des Flughafens wurden angegriffen. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig.
Die Afrika-Korrespondentin Sarah Fluck beschreibt, dass der Krieg für die Zivilbevölkerung zum Alltag geworden ist. Untersuchungen dokumentieren die Rekrutierung von Minderjährigen durch beide Kriegsparteien. Für einen Frieden müssten die ausländischen Unterstützer aufhören, Waffen und Geld zu liefern, und die zivilen Kräfte an den Verhandlungstisch kommen. Ein Waffenstillstand sei noch lange kein Frieden.
Quellen
SRF News: Krieg im Sudan – «Wenn du hier keine Waffen hast, dann bist du niemand mehr»
Tages-Anzeiger: Treffen in Genf ergebnislos: Die Generäle im Sudan schlagen ungehemmt zu, weil die Welt anderweitig beschäftigt ist
zentralplus: Kein Durchbruch bei Sudan-Treffen
SRF News: Genfer Sudan-Gespräche – Kein Ausweg aus dem Blutvergiessen im Sudan
Nau.ch: Sudan-Krieg: Kein Durchbruch bei Friedenssuche in Genf
blue News: Sudan-Krieg: Kein Durchbruch bei Friedenssuche in Genf
Nau.ch: Sudan-Krieg: 27 Delegationen suchen in Genf nach Frieden