Studie zeigt, dass die Anatomie des Mundes den Klang der Vokale mitprägt
Unterschiede im menschlichen Sprechapparat beeinflussen, wie Vokale klingen, und tragen so zum Wandel der Sprachen bei. Das zeigt eine Studie der Universitäten Neuenburg und Zürich.
Für die am Dienstagabend in der Fachzeitschrift «PLOS Biology» veröffentlichte Studie untersuchten die Forschenden mit einem Magnetresonanztomographen (MRT), wie stark sich die Anatomie des Gaumens auf die Aussprache auswirkt. Sie analysierten bei 32 englischsprachigen Personen den Stimmapparat, während diese die Vokale «i», «e», «a», «o» und «u» aussprachen.
Die Vokaltrakte der Teilnehmenden unterschieden sich stark. Um denselben Laut zu erzeugen, mussten die Sprechenden unterschiedliche Zungen- und Lippenbewegungen ausführen. Anatomische Unterschiede liessen sich dennoch nicht vollständig ausgleichen: Die persönliche Gaumen- und Rachenform hinterliess bei jeder Testperson messbare Spuren im Klang der Vokale. Innerhalb einer Sprachgruppe gibt es dadurch eine gewisse Bandbreite, wie Vokale klingen.
Zum Vergleich zogen die Forschenden Sprachaufnahmen aus anderen Sprachen wie Baskisch und Hindi heran. In jeder untersuchten Sprache zeigte sich ein ähnliches Grundmass an klanglichen Unterschieden zwischen einzelnen Personen.
Das Forschungsteam um Steven Moran von der Universität Neuenburg und Christoph Zollikofer von der Universität Zürich schreibt, man sei bisher oft davon ausgegangen, «dass die biologische Evolution der Sprache mit der Entwicklung der menschlichen Sprachfähigkeit abgeschlossen war – und dass jeder spätere Sprachwandel ausschliesslich durch Kultur und Geschichte getrieben wurde». Die neuen Erkenntnisse widerlegten diese strikte Trennung. Die Biologie bleibe ein ständiger, leiser Motor für den Sprachwandel.
Da keine zwei Menschen den exakt gleichen Mundraum besitzen, ist die Aussprache in einer Gesellschaft stets im Fluss. Diese natürliche klangliche Streuung summiert sich über die Zeit. Trennen sich Bevölkerungsgruppen räumlich voneinander, driften ihre Laute durch die körperlich bedingten Abweichungen über Jahrhunderte in unterschiedliche Richtungen, bis am Ende neue Sprachen entstehen.
Quellen
Nau.ch: Wie die Anatomie des Mundes die Sprachen der Welt formt
blue News: Wie die Anatomie des Mundes die Sprachen der Welt formt