Ekrem Imamoglu beginnt viertägiges Plädoyer in Hauptprozess
Der inhaftierte ehemalige Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu hat in einem von der Opposition als politisch motiviert kritisierten Hauptprozess mit seinem Plädoyer begonnen. Die Verteidigung soll vier Tage dauern, anschliessend wird ein Zwischenurteil erwartet.
Imamoglu wird 142 Straftaten vorgeworfen, darunter die Gründung und Leitung einer kriminellen Organisation. Laut Anklageschrift soll er die Stadtverwaltung als Finanzquelle genutzt haben, um die Führung seiner damaligen Partei CHP zu übernehmen und seine Präsidentschaftskandidatur abzusichern. Die Staatsanwaltschaft fordert insgesamt mehr als 2.000 Jahre Haft. Vor Gericht wies Imamoglu die Vorwürfe zurück.
Trotz umfangreicher Ermittlungen hätten die Ermittler keine entsprechenden finanziellen Belege gefunden. Eine Razzia beim oppositionellen Sender Halk TV am Mittwochmorgen bezeichnete Imamoglu vor Gericht als «Wahnsinn». Kritiker vermuten einen Zusammenhang zwischen der Razzia und dem Beginn seines Plädoyers. Der Sender hatte über den Prozess berichtet.
Imamoglu ist in mehreren Strafverfahren angeklagt und war unter anderem Mitte September wegen Beleidigung eines Amtsträgers zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Sollte dieses Urteil rechtskräftig werden, würde er auch formal sein Bürgermeisteramt verlieren. Der Prozess richtet sich zudem gegen zahlreiche Mitarbeiter der Stadtverwaltung.
Imamoglu galt lange als aussichtsreicher Gegenkandidat bei der nächsten türkischen Präsidentschaftswahl. Seit März 2025 sitzt er in Untersuchungshaft. 2019 war er zum Bürgermeister von Istanbul gewählt worden. Im August trat er der Yeni Parti bei, die der abgesetzte frühere CHP-Vorsitzende Özgür Özel gegründet hatte.
Quellen
Nau.ch: Erdogan-Rivale Imamoglu beginnt viertägiges Plädoyer vor Gericht
blue News: Erdogan-Rivale Imamoglu beginnt viertägiges Plädoyer vor Gericht