Roche signalisiert Kompromissbereitschaft, stoppt aber Investitionen in Deutschland
Der Basler Pharmakonzern Roche setzt sämtliche neuen Investitionsentscheidungen in Deutschland vorerst aus. Für den Fall, dass sich Berlin wieder auf die Pharmaindustrie zubewegt, signalisiert das Unternehmen Kompromissbereitschaft.
Deutschland-Chef Daniel Steiners erklärte im Interview: «Wir haben sämtliche künftigen Investitionsentscheidungen in Deutschland erst einmal auf Hold gesetzt.» Auch das globale Headquarter wolle jetzt verstehen, wie es in Deutschland weitergeht. Roche müsse einschätzen können, ob Deutschland weiterhin ein Partner sei, der verlässliche Rahmenbedingungen schaffe. Das Unternehmen ist seit 130 Jahren in Deutschland präsent und beschäftigt dort rund 18'000 Mitarbeitende. Der Standort im bayerischen Penzberg wird stark ausgebaut.
Steiners kritisierte die Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) scharf. Konkret richtet sich die Kritik gegen das Gesetz zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge (GKV). Die Politik setze auf kurzfristige Einsparungen und zusätzliche Belastungen für die Industrie, statt die strukturellen Probleme anzugehen. «Damit verliert man doppelt.» Die Erhöhung des Herstellerrabatts, den Arzneihersteller den Krankenkassen gewähren müssen, bezeichnete Roche als Belastung. Die geplante Standortklausel zur Entlastung forschender und produzierender Pharmaunternehmen könne die negativen Folgen nur teilweise reparieren, nötig sei eine umfassende Strategie. Im Koalitionsvertrag steht die Stärkung des Pharmastandorts, doch private Investitionen folgten keinen politischen Ankündigungen, sondern verlässlichen Rahmenbedingungen. Steiners spricht von einer Zäsur: «Dieser Automatismus, dass man weiter in einen Standort investiert, den gibt es in dieser Form einfach nicht mehr.» Er lobte zugleich die USA für ihre Industriepolitik.
Der Entscheid ist ein Rückschlag für die Bundesregierung, die am Montag bei einem Investorengipfel in Berlin mit Merz für den Standort Deutschland wirbt. Die Verärgerung in der Pharmabranche ist gross. Der US-Konzern Eli Lilly hatte im Sommer angekündigt, geplante Investitionen von 2,5 Milliarden Euro in Rheinland-Pfalz zu halbieren. Boehringer Ingelheim strich geplante Ausgaben von 900 Millionen Euro komplett, ebenfalls mit Verweis auf die Sparvorgaben. Auch Pfizer hatte Investitionen in Deutschland auf den Prüfstand gestellt.
Gleichzeitig zeigte sich Roche laut neuer Berichterstattung nicht nur verärgert über die verlangten Preisnachlässe. Für den Fall, dass sich Berlin wieder auf die Pharmaindustrie zubewegt, ist das Unternehmen zu Kompromissen bereit.
Quellen
NZZ: Roche setzt geplante Investitionen in Deutschland aus – lässt sich aber ein Türchen offen
Blick: Roche stoppt alle neuen Investitionen in Deutschland
Nau.ch: Roche stellt Investitionen in Deutschland auf Prüfstand
Tages-Anzeiger: Pharmastandort unter Druck: Roche stoppt künftige Investitionen in Deutschland – eine Warnung für die Schweiz?
Bajour: Roche stoppt vorerst neue Investitionen in Deutschland
20 Minuten: «Vertrauen zerstört»: Roche stoppt Investitionen in Deutschland