Die EU-Kommission prüft Booking.com wegen Betrugs, Phishing und Werbekennzeichnung
Die EU-Kommission hat nach dem Digital Services Act ein Verfahren gegen die Buchungsplattform Booking.com eröffnet. Geprüft wird, ob das Unternehmen genug gegen gefälschte Unterkünfte und Phishing unternimmt und bezahlte Suchergebnisse klar als Werbung kennzeichnet.
Laut der Kommission geht es um Anzeigen für Hotels oder Ferienwohnungen, die es nicht gibt oder die dem angeblichen Anbieter nicht gehören. Eine EU-Beamtin sprach von Tausenden falschen Anzeigen in der ganzen EU. Booking.com habe selbst einen rasanten Anstieg betrügerischer Anzeigen festgestellt, hiess es von Kommissionsbeamten; weltweit seien die Betrugsfälle um 500 Prozent gestiegen. EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen sagte: «Europäerinnen und Europäer sollten ihren Urlaub buchen können, ohne Angst vor Betrügern haben zu müssen».
Im ersten Halbjahr 2026 gingen 1072 Betrugsmeldungen ein, die zu einem Schaden von 82'000 Euro führten. Das entspricht laut der Kommission einer Verzehnfachung gegenüber dem Vorjahr. Die Untersuchung betrifft auch Phishing: Die Kommission will wissen, welche Reservierungs- und Gästedaten Booking an Unterkunftsbetreiber weitergibt und wie das Nachrichtensystem der Plattform funktioniert. Gerät ein Gast an einen betrügerischen Anbieter, können dieser die Daten weiterverwenden und Phishing-Mails mit falschen Zahlungsaufforderungen versenden.
Zudem prüft Brüssel die bezahlte Werbung. Anbieter, die eine höhere Provision zahlen, erscheinen in den Suchergebnissen weiter oben. Nutzende sollten diese Einträge nach Ansicht der Kommission klar als Werbung erkennen können und ausreichend Informationen erhalten, wie sie die Werbeeinstellungen ändern können.
Booking.com mit Sitz in Amsterdam teilte mit, es werde «konstruktiv» mit der Kommission zusammenarbeiten. Im Lauf der Ermittlungen kann das Unternehmen Änderungen zusagen, um Strafen zu entgehen; laut EU-Beamten könnte es etwa die Anbieterlizenzen häufiger überprüfen. Die Kommission betont, die Eröffnung des Verfahrens sage noch nichts darüber aus, ob Booking gegen EU-Regeln verstossen hat. Bestätigt sich der Verdacht, droht ein Bussgeld von maximal sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Grundlage ist der Digital Services Act, der seit Februar 2024 gilt. Booking.com ist seit April 2023 als sehr grosse Online-Plattform eingestuft. Die Kommission hat bereits Verfahren gegen Plattformen wie TikTok, Facebook, Instagram und Snapchat eröffnet; gegen X sowie die Händler Temu und AliExpress verhängte sie bereits Millionenstrafen.
Quellen
SRF News: Nach Betrugswelle – EU startet Ermittlungen gegen Booking.com
blue News: EU ermittelt gegen Booking.com wegen Betrugsfällen
zentralplus: EU ermittelt gegen Booking.com
20 Minuten: Tausende Fake-Hotels auf Booking.com – jetzt greift die EU ein
Nau.ch: EU ermittelt gegen Booking.com wegen Betrugsfällen
Caschys Blog: Booking.com: EU leitet Verfahren wegen Fake-Angeboten und Phishing ein
Tages-Anzeiger: Betrug auf Hotelplattform: EU ermittelt: Betrugsfälle auf Booking.com verzehnfachen sich