Grünen-Präsidentin Mazzone geht auf Distanz zu Amaudruz und will Kandidierende anhören
Grünen-Präsidentin Lisa Mazzone geht auf Distanz zur einzigen SVP-Kandidatin Céline Amaudruz. Trotz scharfer Kritik am Kandidatenfeld sollen die acht Nominierten für die Nachfolge von Guy Parmelin zum Hearing eingeladen werden.
Mazzone kritisiert vor allem die Nähe von Amaudruz zur Privatbank Reyl, für die Amaudruz bis Ende September tätig war. «Ihre Nähe zu dieser Bank und das starke Lobbying für eine Bank, die lange noch Geschäfte mit Russland machte, sind für mich ein sehr grosses Problem», sagt die Grünen-Präsidentin. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) hatte die Bank Reyl unter anderem wegen mangelhafter Vorkehrungen gegen Geldwäscherei gerügt. Kurz darauf reichte die Genfer SVP-Nationalrätin im Bundeshaus mehrere Finma-kritische Vorstösse ein.
Auch das übrige Kandidatenfeld kritisiert Mazzone: «Es hat darunter mehr Oberwalliser als Frauen – und Männer, die fast schon im Pensionsalter sind.» Sie habe Mühe, sich vorzustellen, dass die Grünen jemanden zur Wahl empfehlen. Die Fraktion werde die Kandidierenden trotzdem anhören, während die Grünen früher häufig auf Hearings mit SVP-Bundesratskandidaten verzichtet hatten. Vor zwei Wochen hatte sich die grüne Fraktionschefin Greta Gysin in der SRF-Arena positiver geäussert: Amaudruz bringe Eigenschaften mit, die für die Zusammensetzung des Bundesrats positiv seien.
Die Grünen stellen mit 23 Parlamentarierinnen und Parlamentariern über zehn Prozent der Stimmen in der Bundesversammlung. Noch nie hat die Fraktion die Wahl eines SVP-Vertreters empfohlen. Aus früheren Wahlresultaten lasse sich aber ableiten, dass grüne Parlamentarier wiederholt einem SVP-Bundesratskandidaten ihre Stimme gegeben haben. Mazzone selbst habe das in ihrer Parlamentszeit nie getan. Bei der Ersatzwahl für Guy Parmelin verzichten die Grünen zum zweiten Mal nach 2022 auf eine Sprengkandidatur. Antreten wollen sie nächstes Jahr bei der Gesamterneuerungswahl.
Mazzone wirft den vier Bundesratsparteien vor, ein Machtkartell zu bilden, und verweist auf die Hitze dieses Sommers: Der Bundesrat habe die Bevölkerung «im Stich gelassen». Ein grüner Bundesratssitz würde laut ihr einen Unterschied machen. Einen Sitz auf Kosten der SP hält sie für unrealistisch, da es dafür keine Mehrheit gäbe. Übervertreten im Bundesrat sei nicht die SP, sondern die FDP.
Quellen
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