Tamedia bietet nach Protest in Zürich erste Mitarbeitende zu Entlassungsgesprächen auf
Tamedia hat fünf Stunden nach einer Protestkundgebung in Zürich erste Mitarbeitende zu Entlassungsgesprächen aufgeboten. Von den Abbauplänen sind 41 Mitarbeitende betroffen, davon 34 Vollzeitstellen in den News-Redaktionen.
Vor dem Tamedia-Hauptgebäude an der Zürcher Werdstrasse haben am Dienstagmittag laut Belegschaft über 400 Personen gegen den geplanten Stellenabbau protestiert. Die Teilnehmenden forderten einen sofortigen Kündigungsstopp, ein Konsultationsverfahren auch in der Deutschschweiz, die Berücksichtigung freiwilliger Abgänge und Investitionen in menschengemachten Journalismus. Unterstützt wurden sie unter anderem vom Zürcher Stadtpräsidenten Raphael Golta (SP), der sich als «Tagi-Kind» bezeichnete. Auch Cédric Wermuth und Jacqueline Badran (beide SP) waren vor Ort; Badran forderte einen «kollektiven Streik von Journalisten».
Die Redaktionen werfen der Geschäftsleitung vor, die Folgen von Fehlentscheiden stets auf das Personal abzuwälzen. Die Abbaupläne seien mitten in den Herbstferien und ohne Konsultation oder Freiwilligenprogramm kommuniziert worden, heisst es in einem offenen Brief. Insgesamt hatten 270 Mitarbeitende die Geschäftsleitung aufgefordert, gemeinsam nach Alternativen zu suchen. Die Tamedia-Redaktionen in der Romandie solidarisierten sich schriftlich mit ihren Kolleginnen und Kollegen in Zürich.
Tamedia hatte vor rund zwei Wochen den Abbau von 34 Vollzeitstellen in den News-Redaktionen in Zürich, Bern, Basel, Lausanne und Genf angekündigt. Laut der Protestgruppe ist es die siebte Entlassungswelle innerhalb von sechs Jahren. Die Geschäftsleitung weist den Vorwurf zurück, Verhandlungen abzulehnen, und verweist auf einen «umfassend ausgestatteten Sozialplan». In einem Schreiben erklärte sie, «Tamedia muss Stellen abbauen»; die wirtschaftlichen Grundlagen des Journalismus gerieten unter Druck, die Massnahmen seien «schmerzhaft, aber betriebswirtschaftlich notwendig». Wegen des Protestaufrufs habe es bereits mehrere Dutzend Abo-Kündigungen gegeben, was die Geschäftsleitung als schädlich bezeichnet. Die Protestgruppe sieht die Abo-Abstellungen dagegen als direkte Folge der Entlassungen.
Nur fünf Stunden nach der Kundgebung wurden erste Mitarbeitende zu Entlassungsgesprächen aufgeboten, wie die Redaktionen am Mittwoch mitteilten. Sie fordern die Geschäftsleitung auf, die Gespräche sofort auszusetzen.
Quellen
Nau.ch: Tamedia kündigt Mitarbeitern nur fünf Stunden nach Protest
Bajour: Protest gegen Stellenabbau bei Tamedia
SRF News: Protest gegen Stellenabbau – Angestellte von Tamedia fordern «Journalismus statt KI»
Tages-Anzeiger: Medienkrise: Mitarbeitende protestieren in Zürich gegen Stellenabbau bei Tamedia
Tsüri: Siebter Abbau in sechs Jahren: Journalist:innen protestieren vor Tamedia-Hauptsitz
Nau.ch: Tamedia-Angestellte protestieren in Zürich gegen Entlassungen
blue News: Tamedia-Angestellte protestieren in Zürich gegen Entlassungen
blue News: Journalisten wehren sich gegen Stellenabbau