Ukrainer wegen Nord-Stream-Sabotage vor Gericht angeklagt
Am Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg beginnt der Prozess gegen den Ukrainer Serhii K., der als Drahtzieher der Sprengungen an den Nord-Stream-Pipelines angeklagt ist. Der 50-Jährige muss sich wegen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, Zerstörung von Bauwerken und Kriegsverbrechen verantworten.
Die Anschläge auf die Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 ereigneten sich am 26. September 2022 in der Ostsee vor der dänischen Insel Bornholm. Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft charterte eine Gruppe von Tauchern im September 2022 eine Segeljacht in einem Ostsee-Hafen. Bei mehreren Tauchgängen in rund 80 Metern Tiefe brachten sie mit Zeitzündern versehene Sprengsätze an beiden Pipelines an. Die Explosionen führten zu Lecks, aus denen gut eine halbe Million Tonnen Methangas entwich.
Serhii K. soll die sechsköpfige Gruppe mit vier Tiefseetauchern, einem Sprengstoffexperten und einem Skipper organisiert und angeführt haben. Der heute 50-Jährige diente nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft während des russischen Angriffskriegs als Offizier einer ukrainischen Spezialeinheit für Aufklärung, Sabotage und Angriffe auf Infrastruktur. Er wurde im August 2025 während seiner Ferien in Rimini verhaftet und bestreitet jegliche Beteiligung.
Die Ermittler stützen sich auf mehrere Indizien: Fotos eines Touristen auf Rügen, Blitzer-Fotos aus Radarfallen, Beobachtungen von Hafenmeistern und Seglern, Spuren eines hochexplosiven militärischen Sprengstoffs auf der Segeljacht «Andromeda» sowie Informationen auf Serhii K.s Mobiltelefon zu Nord Stream, Pipelinetechnik und Seekarten.
Das Gericht muss klären, ob die Pipelines ein zulässiges militärisches Ziel darstellen. Die Bundesanwaltschaft betrachtet sie als geschützte zivile Objekte. Serhii K. beruft sich auf «funktionelle Immunität» als Soldat, der Befehle ausgeführt habe – diese greift aber nur, wenn die Sprengung eine zulässige Kriegshandlung war, was der Bundesgerichtshof bezweifelt. Die ukrainische Regierung und Präsident Selenski bestreiten jede Beteiligung an der Sabotageaktion, während die Bundesanwaltschaft davon ausgeht, dass die Operation von ukrainischen Staatsstellen abgesegnet war.
Quellen
zentralplus: Prozess um Nord-Stream-Pipelines
SRF News: Vier Jahre nach Sabotageakt – Waren die Nord-Stream-Pipelines ein Kriegsschauplatz?