Agora warnt vor Kaufprämie für gebrauchte E-Autos und schlägt Ladeguthaben vor
Die Denkfabrik Agora Verkehrswende warnt davor, gebrauchte Elektroautos mit einer Kaufprämie zu fördern. Eine solche Subvention würde wegen der knappen Angebote wahrscheinlich zu steigenden Preisen führen und damit weniger Menschen erreichen. Agora empfiehlt stattdessen ein gezieltes Ladeguthaben für Haushalte mit geringerem Einkommen.
Agora hat analysiert, dass eine Kaufförderung für gebrauchte E-Pkw den Markt ungünstig verzerren könnte. Das Angebot ist knapp, die Nachfrage ist in den letzten Monaten stark gestiegen. Wenn mehr Käufer mit Prämie auf ein begrenztes Angebot treffen, können Verkäufer höhere Preise durchsetzen – die Förderung landet dann teilweise im Preis statt beim Käufer. Hinzu kommen Mitnahmeeffekte: Weil Gebrauchtwagenpreise nicht einheitlich sind, fließt Fördergeld wahrscheinlich auch an Käufe, die ohnehin zustande gekommen wären.
Im August 2026 lag der Marktanteil von E-Pkw am Gebrauchtwagenmarkt bei 5,3 Prozent (26.769 Besitzumschreibungen), im Vorjahresmonat waren es 3,9 Prozent. Im April 2026 erreichte der Anteil mit 7,7 Prozent einen bisherigen Höchststand. Eine repräsentative Umfrage von August 2025 zeigte: Fast die Hälfte der Gebrauchtwagenkäufer interessiert sich für einen vollelektrischen Pkw. Selbst bei einem monatlichen Netto-Einkommen unter 2000 Euro können sich rund 37 Prozent einen gebrauchten E-Pkw vorstellen. Im Juni 2026 lagen die Angebotspreise gebrauchter E-Pkw rund 15 Prozent über dem Niveau vom März; das Angebot unter 25.000 Euro schrumpfte zwischen Februar und Juni deutlich.
Ein zusätzliches Problem ist der grenzüberschreitende Handel. Im ersten Halbjahr 2026 exportierte Deutschland 33.700 gebrauchte E-Pkw, importierte aber nur 4.700. Dieser Nettoexport verknappt das Angebot in Deutschland weiter.
Agora schlägt stattdessen ein Ladeguthaben vor, das gezielt an Haushalte mit geringerem Einkommen und ohne private Lademöglichkeit ausgegeben wird. Dies könnte die Bundesregierung effizienter und genauer erreichen. Agora empfiehlt zudem, die Entwicklung eines internationalen Standards zur Bewertung der Batteriequalität voranzubringen, damit Verbraucher Prüfergebnisse anbieterunabhängig vergleichen können. Auch der Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur an Mehrfamilienhäusern sollte erleichtert werden.
Quellen
auto motor und sport: Gebrauchtwagenmarkt Elektromobilität: Experten warnen vor Prämie für gebrauchte E-Autos
ecomento.de: Förderung gebrauchter E-Autos: Agora warnt vor steigenden Preisen