Ukraine greift Yandex-Rechenzentren an – Berichte über Bot-Rückgang sind irreführend
Die Ukraine hat mehrere Datencenter des russischen Internetkonzerns Yandex mit Drohnen angegriffen. Dies führte zu massiven Ausfällen von Yandex-Diensten und zu Schlagzeilen, wonach der russische Bot-Traffic eingebrochen sei – eine Behauptung, die sich bei genauerer Betrachtung als irreführend erweist.
Bei den Angriffen fielen laut Statusbericht von Yandex Cloud mehr oder weniger alle Dienste aus. Dies betraf beliebte Online-Dienste in Russland wie die lokale Uber-Alternative Yandex Go. Die Ausfälle gingen aber über Yandex hinaus: Laut Analysedaten von Cloudflare sank das von Yandex ausgehende Bot-Aufkommen auf lediglich 0,4 Prozent des Spitzenwerts der vergangenen zwei Wochen.
Diese Statistik führte zu zahlreichen Schlagzeilen, wonach der Bot-Traffic aus Russland generell eingebrochen sei. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch: Die Cloudflare-Statistik bezieht sich dezidiert nur auf Yandex-Bots und nicht auf russische Bots insgesamt. Sieht man sich die Statistik zum gesamten Bot-Traffic aus Russland an, sind nach den jüngsten Angriffen keine besonders auffälligen Einbrüche erkennbar.
Zudem wird bei «russischen Bots» oft impliziert, dass es sich um Fake-Nutzer in Online-Netzwerken handelt. Tatsächlich können Bots aber vieles sein – etwa Crawler von Suchmaschinen oder KI-Tools. Kiews Drohnenattacken stellen eine Reaktion auf vorangegangene russische Angriffe gegen ukrainische Serverinfrastruktur dar, die ebenfalls Ausfälle verursacht hatten.
Quellen
NZZ: Angriff auf Yandex-Rechenzentren: Verstummen die russischen Bots jetzt wirklich?
futurezone: Ist der Bot-Traffic aus Russland wirklich eingebrochen?