Zürcher SVP-Politiker plant Vorstoss gegen Taxi-Wucherpreise nach 70-Franken-Fahrt
Der Zürcher SVP-Kantonsrat Ueli Bamert ist am Hauptbahnhof Zürich in ein Taxi gestiegen und nach weniger als 1,5 Kilometern wieder ausgestiegen – der Taxameter zeigte bereits rund 70 Franken an. Der Politiker plant nun einen Vorstoss gegen die Wucherpreise.
Nach knapp einem Kilometer habe der Taxameter bereits 40 Franken angezeigt, berichtet Bamert. Nach nicht einmal 1,5 Kilometern sei er bei 70 Franken angekommen. «Wir sind ausgestiegen und haben gezahlt – wir konnten nicht anders», erzählte der Co-Präsident der SVP Stadt Zürich in einem Facebook-Video. Für die gesamte Strecke zu seinem Zuhause hätte der Taxifahrer laut Bamerts Schätzung über 100 Franken verlangt.
Bamert spricht von «Wucherpreisen» und «unanständigen» Preisen. Für eine Fahrt vom Hauptbahnhof zu sich nach Hause, die weniger als zehn Minuten dauert, hätte er 30 bis 40 Franken als angemessen empfunden. Zum Vergleich: Im Winter habe er für eine 15- bis 20-minütige Fahrt quer durch die Stadt 50 Franken bezahlt, was er als «happig, aber noch im Rahmen» fand. Bamert betont, er wolle nicht die ganze Branche angreifen, sondern sie schützen. Einzelne «schwarze Schafe» würden dem Ruf der Taxis und dem Tourismus schaden.
Auf sein Video erhielt Bamert zahlreiche Rückmeldungen. Der häufigste Kommentar war, dass Menschen deshalb seit Jahren nur noch Uber nutzen würden. Bamert nutzt Uber ebenfalls regelmässig, sieht das Geschäftsmodell aber kritisch: «Die Preise sind so tief, dass ich mir oft nicht vorstellen kann, wie es sich für die Fahrer rechnet.»
Die Taxi-Sektion Zürich bestätigt, dass jede Woche Beschwerden von Kundinnen und Kunden über überhöhte Preise eingehen. Der Verband hatte bereits im Februar Regierungsrätin Carmen Walker Späh auf den Missstand hingewiesen. Seit 2024 gibt es in Zürich keine Preisobergrenze mehr. Der Verband nannte Beispiele wie zehn Franken Grundtaxe, acht Franken pro Kilometer und zwei Franken pro Minute – deutlich über der Preisempfehlung. Walker Späh erteilte einer Preisobergrenze im März vorerst eine Absage und sagte, der Kanton wolle die Entwicklung «aufmerksam verfolgen».
Bamert plant einen Vorstoss zum Thema, wie er gegenüber Nau.ch sagte. In welcher Form dieser erfolgen soll, muss er noch abklären. Der Preiszerfall im Fahrdienstsektor ist das Resultat des harten Wettbewerbs zwischen Uber und dem estnischen Konkurrenten Bolt, der seit Mai 2023 in Zürich Fahrdienste oft zu noch günstigeren Preisen anbietet.
Quellen
Tages-Anzeiger: Taxifahren in Zürich: SVP-Co-Präsident zahlte 70 Franken für kurze Taxifahrt. Jetzt will er Preise deckeln.
blue News: 70 Franken für 1500 Meter – Politiker bricht Taxifahrt wegen «Wucher» ab
20 Minuten: «Taxi-Wucher»: SVP-Politiker zahlt 70 Franken für 1,5 Kilometer
Nau.ch: Zürcher Politiker: Wucher-Taxi will 70 Fr. für 5-Minuten-Fahrt