Notrufmitschnitte zeigen über 30 Minuten Verzögerung nach gescheiterter Pike-Hinrichtung
Nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch von Christa Pike im US-Bundesstaat Tennessee zeigen veröffentlichte Notrufmitschnitte massive Verzögerungen bei der medizinischen Notfallversorgung. Wegen Missverständnissen zwischen Gefängnisverantwortlichen und Rettungskräften verstrich über eine halbe Stunde, bis Hilfe bestätigt wurde.
Der erste Notruf ging am 30. September um 20.40 Uhr bei der Einsatzleitstelle ein. Ein nicht identifizierter Anrufer teilte mit, dass eine Hinrichtung durchgeführt worden sei und ein Krankenwagen benötigt werde. Die Todeskandidatin sei bewusstlos und ihre Atmung «sehr schwer». Der Anrufer konnte jedoch keinen Sicherheitscode bereitstellen, der Rettungskräften den Zugang zum Gefängnisgelände ohne Polizeibegleitung ermöglicht hätte.
Um 21.03 Uhr teilte die Zentrale der Strafvollzugsbehörde von Tennessee der Notrufzentrale mit, dass es sich um einen Fehlalarm handele und im Riverbend-Gefängnis keine medizinische Hilfe benötigt werde. Vier Minuten später meldete sich eine Einsatzkraft, dass jemand draussen am Gefängnistor auf sofortige Hilfe dränge und behaupte, ein Staatsbeamter zu sein. Erst um 21.11 Uhr, rund 30 Minuten nach dem ersten Notruf, bestätigte die Gefängnisleitung die Echtheit des Hilferufs und liess die Rettungskräfte auf das Gefängnisgelände.
Die 50-jährige Pike hatte zwei Dosen des Narkosemittels Pentobarbital überlebt, mit dem sie hingerichtet werden sollte. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht und künstlich beatmet. Ihre Anwälte rechneten zunächst nicht mit ihrem Überleben. Später erwachte sie jedoch, konnte wieder sprechen und mit Unterstützung gehen. Mittlerweile ist Pike aus dem Spital entlassen worden und befindet sich wieder im Debra K. Johnson Rehabilitation Center, dem Frauengefängnis, in dem sie schon 30 Jahre lang untergebracht war. Pike war 1996 wegen des Mordes an ihrer 19-jährigen Klassenkameradin Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden.
Quellen
blue News: Hilfe für Christa Pike nach gescheiterter Hinrichtung verzögerte sich massiv
Blick: Notrufe enthüllen Chaos, als Christa Pike nicht starb
Nau.ch: Nach misslungener Hinrichtung: Auch Notruf versagte bei Christa Pike
watson: Christa Pike: Behörden stuften Notruf aus Gefängnis als Fehlalarm ein
20 Minuten: Aufnahmen offenbaren Notruf-Chaos
Basler Zeitung: Nach gescheiterter Pike-Hinrichtung: Aufnahmen offenbaren Notruf-Chaos