Bundesrat schickt Industrie-Finanzierung von Tox Info in die Vernehmlassung
Der Bundesrat schickt die geplante Gesetzesänderung, mit der Chemie- und Pharmafirmen zur Mitfinanzierung der Auskunftsstelle für Vergiftungen verpflichtet werden sollen, bis Mitte Februar in die Vernehmlassung. Laut Bundesrat wären insgesamt rund 5800 Firmen betroffen.
Der Bundesrat teilte am Mittwoch nach seiner Sitzung mit, die chemische und pharmazeutische Industrie sei nicht bereit, Tox Info Suisse auf freiwilliger Basis dauerhaft substanziell zu unterstützen. Dies hätten Gespräche zwischen dem Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) und Vertretern der beiden Industriezweige gezeigt. Die Auskunftsstelle war vor rund 60 Jahren von privaten Trägern, mit Einnahmen aus Verträgen mit Spitälern, Spenden sowie Beiträgen der öffentlichen Hand finanziert worden. In den vergangenen Jahren hätten sich die privaten Träger jedoch zu einem grossen Teil zurückgezogen.
Mit Anpassungen des Chemikaliengesetzes und des Heilmittelgesetzes sollen laut Bundesrat jene Akteure zur Mitfinanzierung verpflichtet werden, deren Produkte die Ursache für über 70 Prozent der Vergiftungsfälle sind. Chemikalienhersteller müssten durchschnittlich rund 240 Franken pro Jahr bezahlen, Zulassungsinhaber von Arzneimitteln rund 5300 Franken. Im Bereich Chemikalien wären etwa 5500 Firmen betroffen, im Heilmittelbereich rund 300.
In der Wintersession 2025 hatte das Parlament die notwendigen finanziellen Mittel gesprochen, um den weiteren Betrieb der Giftnotrufnummer sicherzustellen. Der Bundesrat lehnte damals eine Erhöhung ab. Bundesrätin Karin Keller-Sutter sagte im Ständerat, ein Ja des Parlaments zur Aufstockung der Bundesgelder würde die Verhandlungsposition des Bundes schwächen, der mit privaten Trägern eine Mitfinanzierung anstrebe. Der Bundesrat bedauere, dass sich private Träger aus ihrem Engagement zurückgezogen hätten.
Anfang Jahr hatte die Trägerstiftung von Tox Info Suisse bekanntgegeben, dass immer mehr Menschen wegen Vergiftungen die Notrufnummer 145 wählen. Pro Tag wandten sich durchschnittlich 123 Menschen an die Nummer. Das Anrufvolumen nahm zuletzt jährlich um zwei bis vier Prozent zu, im vergangenen Jahr um 4,6 Prozent. Insgesamt führte Tox Info Suisse 2025 44’736 Beratungen durch. 40 Prozent der Fälle betrafen Kinder im Vorschulalter, fast immer handelte es sich dabei um Unfälle. Sechs Prozent der Anrufe betrafen Jugendliche, bei denen beabsichtigte Vergiftungen im Vordergrund standen.
Quellen
SRF News: Hilfe bei Vergiftung – Chemie und Pharma sollen Tox Info mitfinanzieren
zentralplus: Firmen sollen «Tox Info» finanzieren
Tages-Anzeiger: Gefährdeter Giftnotruf 145: Tox Info: Bundesrat beharrt auf Mitfinanzierung durch Industrie
Nau.ch: Bundesrat beharrt bei Tox Info auf Mitfinanzierung durch Industrie
blue News: Tox Info: Bundesrat beharrt auf Mitfinanzierung durch Industrie