Schwammstadt Wolkenwerk in Zürich: Fachleute wollen Regenwasser stärker zurückhalten
Fachleute fordern, Regenwasser in der Schweiz stärker zurückzuhalten, um die Trinkwasserversorgung vor Trockenheit und Starkregen zu schützen. Als Modell gilt die Überbauung Wolkenwerk in Zürich-Oerlikon, die Regenwasser über Dachgärten speichert.
Die Forderung wurde an einer Medienkonferenz in Zürich erhoben, die am Montag stattfand. Sie steht im Zusammenhang mit dem ersten Swiss EurEau Water Summit in der Schweiz, zu dem der Fachverband für Wasser, Gas und Wärme und der Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) einladen. Am Hauptanlass am Mittwoch werden rund 400 Vertreterinnen und Vertreter aus dem In- und Ausland erwartet. EurEau ist der europäische Verband der Wasserwirtschaft und vertritt 38 nationale Organisationen aus 33 Ländern.
Laut der Mitteilung können heute etwa 60 Prozent des Trinkwassers ohne oder nach einfacher Aufbereitung an die Bevölkerung abgegeben werden. Die Schweiz bezieht ihr Trinkwasser zu 80 Prozent aus dem Grundwasser. Wegen steigender Konzentrationen chemischer Verunreinigungen gerate die lokale Versorgung zunehmend unter Druck. Solche Verunreinigungen liessen sich, wenn überhaupt, nur mit hohem personellem, energetischem und finanziellem Aufwand entfernen.
Als Alternative wird Regenwasser im sogenannten Schwammland interessant. Dazu gehören natürliche und technische Massnahmen, die den Wasserrückhalt in Böden, Gewässern, Mooren, Wäldern und Einzugsgebieten stärken. Im Zürcher Wolkenwerk in Oerlikon fliesst das Regenwasser von den Dächern der bis zu 70 Meter hohen Gebäude über begrünte Terrassen in einen Park. Die Dachgärten verfügen über eine bis zu 70 Zentimeter tiefe Substratschicht. «Die Feuchtigkeit im Schwamm verzögert das Austrocknen der Landschaft», sagt Stump.
Anja Herlyn, Co-Präsidentin des VSA, sagt: «Wir haben noch gleich viel Regen, aber zu anderen Zeiten und in stärkerer Intensität. Wenn wir möchten, dass unsere Landschaft gleich funktioniert, dann müssen wir Wasser zurückhalten.» Begrünte Dächer können laut den Fachleuten rund 70 Prozent des jährlich anfallenden Regenwassers zurückhalten. Ein grosskroniger Stadtbaum kann seine Umgebung an einem Sommertag um vier bis sieben Grad Celsius abkühlen. Einzelne Vorzeigeprojekte reichten jedoch nicht aus, Regenwasser müsse bei Planungen konsequent mitgedacht werden.
Die führenden Wasserverbände sehen zugleich die lokale Wasserversorgung der Gemeinden bedroht. Die Wasserversorgung in der Schweiz werde zunehmend zentralisiert, immer mehr Gemeinden verlören ihre eigenen Wasserquellen.
Quellen
SRF News: Trockenheit in der Schweiz – Warum Regenwasser in Städten plötzlich wertvoll wird
SRF News: Trockenheit in der Schweiz – Regenwasser wird zur wertvollen Ressource
NZZ: «Wasserschloss Schweiz in Gefahr» – Verbände bangen um die Versorgung mit Trinkwasser
SRF News: Sorge ums Trinkwasser – Immer mehr Gemeinden verlieren ihre eigenen Wasserquellen
Nau.ch: Fachleute: Trockenheit und Verschmutzung gefährden Trinkwasser
blue News: Fachleute: Trockenheit und Verschmutzung gefährden Trinkwasser