Schweizer Autor Gerold Späth ist gestorben
Der Schweizer Schriftsteller Gerold Späth ist am 14. Oktober gestorben, zwei Tage vor seinem 87. Geburtstag. Mit Werken wie seinem Debüt «Unschlecht» galt er als eine der markantesten Stimmen der Deutschschweizer Literatur der 1970er und 1980er Jahre.
Der Lenos Verlag schrieb zum Tod des Autors: «Mit Gerold Späth verlieren wir einen grossen Erzähler.» Späth wurde 1939 in eine Orgelbauerdynastie in Rapperswil am oberen Zürichsee geboren.
Mit seinem Debüt «Unschlecht» von 1970 legte Späth ein literarisches Glanzstück vor. Die Geschichte eines kauzigen Erben, dessen Vermögen samt Insel im See die Begehrlichkeiten seiner Mitbürger weckt, knüpfte an den barocken Schelmenroman an. Das 600 Seiten umfassende Werk erzählt in burlesken Episoden und mit einer von Helvetismen und Neologismen durchzogenen saftigen Sprache die Lebensgeschichte des Simpels Johann Ferdinand Unschlecht, der durch eine Erbschaft zu Vermögen gelangt und sich zum gerissenen Geschäftsmann entwickelt. Die Londoner «Times» nannte das Buch ein Meisterwerk. Späth erhielt dafür den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis.
Auf sein Debüt folgten Werke wie «Stimmgänge», «Balzapf oder Als ich auftauchte» und «Commedia». Mit «Commedia» von 1980, einem Zeitpanorama im Stil des barocken Welttheaters mit 203 Lebensläufen, wurden grosse Kollegen wie Wolfgang Hildesheimer und der spätere Nobelpreisträger Günter Grass auf ihn aufmerksam. 1979 erhielt Späth dafür den von Grass gestifteten ersten Alfred-Döblin-Preis. Nach einer Odyssee durch Verlage wie Suhrkamp und Steidl nahm sich der Lenos Verlag in Basel des Werks von Späth an.
Späth stellte sich als Autor vor, dessen Bücher «von barocker Fülle, Sprachlust, derber Komik und abgründiger Melancholie» geprägt sind. In seinen Werken prangerte er die Enge, die Selbstgerechtigkeit und die Doppelmoral der heilen Schweizer Welt an. Rapperswil, das er in seinen Werken Barbaswila nannte, war der Ort, in dem seine Geschichten wohnten. In der Stadt stiess er damit auf wenig Gegenliebe: Die Bewohner sahen sich in seinem literarischen Werk verunglimpft und verweigerten seiner seit 400 Jahren ortsansässigen Familie Aufträge für lokale Orgeln. Man nannte Gerold Späth einen «neuen Rabelais», «modernen Grimmelshausen» oder «Schweizer Boccaccio».
Quellen
NZZ: Ein Realist mit ausufernder Phantasie: zum Tod des Schweizer Schriftstellers Gerold Späth
SRF News: «Er schrieb überbordend» – Der Schweizer Autor Gerold Späth ist gestorben
Nau.ch: Grotesk, lustvoll, barock: Der Autor Gerold Späth ist gestorben
Tages-Anzeiger: Tod eines Autors: Man nannte ihn den Schweizer Boccaccio: Gerold Späth ist tot
zentralplus: «Unschlecht»-Autor Gerold Späth ist tot
SRF News: Grosser Erzähler – Der Schweizer Autor Gerold Späth ist gestorben