Zehntausende Schüler demonstrieren in Frankreich für bessere Schulausstattung
In Frankreich protestieren seit über zwei Wochen Schüler und Studierende für eine bessere Ausstattung ihrer Schulen. Bei einem erneuten Aktionstag am Dienstag blockierten sie landesweit über 200 Gymnasien und demonstrierten in mehreren Grossstädten.
Die Schüler fordern Investitionen im Umfang von zehn Milliarden Euro für den Bildungsbereich. Konkret geht es um sanierte Schulgebäude, ausreichend Lehrkräfte und bessere Lernbedingungen. Die Regierung hat bislang nur 1,2 Milliarden Euro an Mehrausgaben für das kommende Jahr vorgesehen und zugesagt, über 3.000 Vertretungslehrkräfte an die Schulen zu entsenden. Den Protestierenden reicht das nicht.
Am Dienstag beteiligten sich nach Angaben des Innenministeriums 30.000 Menschen an Protestaktionen an Schulen und 21.000 an Demonstrationszügen in Paris und anderen Grossstädten. Mehrere Bildungsgewerkschaften schlossen sich an. In einigen Städten kam es zu Konfrontationen zwischen Polizeikräften und Demonstranten. In Nantes setzte die Polizei Tränengas ein, in Lyon ging sie gegen Randalierer vor.
Die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg mischte sich im Pariser Vorort Saint-Denis unter die Demonstranten. Sie warf der französischen Polizei ein «extrem gewalttätiges Auftreten» gegenüber jungen Demonstranten vor und sagte: «Unsere Zukunft wird uns geraubt. Und wie wir hier gesehen haben, erhalten die Schulen nicht die Investitionen, die sie benötigen.»
Die Proteste halten bereits seit mehreren Wochen an und haben sich von Blockaden vor Gymnasien auf Universitäten und Demonstrationen auf der Strasse ausgeweitet. Teils kam es zu Ausschreitungen mit Sachbeschädigungen und Angriffen auf Einsatzkräfte und Lehrpersonal. Das Innenministerium beklagte, die Lage habe nichts mehr mit dem legitimen Äussern von Forderungen zu tun. Tausende junge Menschen wurden festgenommen, und Dutzende interne Verfahren gegen Beamte laufen.
Die Regierung steht bei den Forderungen nach mehr Geld für die Bildung unter Druck. Premier Sébastien Lecornu hat einen Sparhaushalt für 2027 mit erheblichen Milliardeneinsparungen vorgelegt. Frankreichs Staatsverschuldung ist auf den höchsten Stand seit 1946 gestiegen, und die Zinskosten verschlingen Unsummen, die für andere Ausgaben fehlen.
Quellen
zentralplus: Erneut Schulproteste in Frankreich
Nau.ch: Zehntausende demonstrieren in Frankreich für bessere Schulen
Nau.ch: Greta Thunberg unterstützt Schulprotest in Frankreich
Tages-Anzeiger: Schülerproteste in Frankreich: Greta Thunberg demonstriert mit Schülern in Paris für bessere Schulen
zentralplus: FRA: Zahl der Proteste zurückgegangen
Nau.ch: Frankreichs Schulproteste starten in neue Woche
blue News: Frankreichs Schulproteste starten in neue Woche
Tages-Anzeiger: Schülerproteste in Frankreich: Sie zünden das Land an. Warum eigentlich?