Urologie-Chef Daniel Eberli verlässt das Unispital Zürich nach einer zweiten Untersuchung
Daniel Eberli, Leiter der Klinik für Urologie am Universitätsspital Zürich (USZ), verlässt das Spital. Die Untersuchung hat erhebliche Verstösse gegen Vorgaben bei Operationen festgestellt, Hinweise auf eine Gefährdung von Patienten gab es jedoch nicht.
Laut USZ wurden organisatorische und dokumentarische Vorgaben bei Operationen über mehrere Jahre nicht konsequent eingehalten, etwa bei der Zuständigkeit für Eingriffe und deren Dokumentation. Unter anderem seien Operationen von Personen durchgeführt worden, die die formellen Anforderungen dafür nicht erfüllten. Der vollständige Bericht wurde offengelegt und der Staatsanwaltschaft übergeben. Das USZ hat die betroffenen Prozesse inzwischen angepasst.
Die Vorwürfe gegen Eberli wurden im Mai 2025 öffentlich. Er soll einem leitenden Arzt bei der Anmeldung zu einer Fachprüfung geholfen haben, obwohl diesem die vorgeschriebene Anzahl Operationen fehlte; Eberli bestätigte die Angaben mit seiner Unterschrift. Das USZ erteilte ihm und dem betroffenen Arzt einen Verweis, beide durften weiterarbeiten. Im März 2026 wurde Eberli nach neuen Meldungen erneut freigestellt, es folgten eine zweite Untersuchung und ein sechsmonatiges Operationsverbot. Ein zentraler Vorwurf lautete, Ärzte hätten unter seiner Leitung Operationen durchgeführt, für die ihnen die nötige Qualifikation gefehlt habe. Der Untersuchung zufolge entstand Eberli daraus kein Vorteil, und die Dokumentation zu den Operateuren war korrekt.
Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) sagte im Kantonsrat, sie habe «langsam genug von Klinikdirektoren, die für Negativschlagzeilen sorgen». Damals stand das USZ wegen des Falls des ehemaligen Herzchirurgen Francesco Maisano in der Kritik, unter dessen Leitung es zu einer Übersterblichkeit bei Herzoperationen gekommen war. Der Urologe Roger Gablinger sieht im aktuellen Fall einen «Systemfehler», weil auch einfache Routineeingriffe als besonders schwierige Operationen eingestuft worden seien. Sein Fazit: «Hier trifft es den falschen Mann.» Ein Kantonsrat nennt Eberli «ein Bauernopfer».
Die Gesundheitsdirektion betont, von Ärzten und Klinikdirektoren dürfe höchste Sorgfalt und Integrität erwartet werden. Die Reputation des USZ leide unter allen Klinikdirektoren, die für Negativschlagzeilen sorgten, «ob sie Maisano, Eberli oder anders heissen». Bis zur definitiven Neubesetzung wird die Klinik für Urologie vom Interimsleiter Daniel Max Schmid geführt.
Quellen
20 Minuten: Nach monatelanger Untersuchung: Urologie-Chef verlässt USZ
blue News: USZ-Urologie: Warum Daniel Eberli geht und Kritiker widersprechen
NZZ: Das Zürcher Unispital ermittelte ein halbes Jahr lang gegen einen Klinikdirektor. Nun ist der Urologe gegangen. Ein Kantonsrat sagt: «Er ist ein Bauernopfer»
zentralplus: «Erhebliche Mängel» am Unispital Zürich
Tages-Anzeiger: Nach Untersuchung: Falsche OP-Angaben: Urologie-Chef verlässt Unispital Zürich
Tsüri: «Erhebliche Mängel»: Klinikleiter vom Unispital Zürich muss gehen
Nau.ch: Urologie-Direktor verlässt Unispital Zürich nach Untersuchung