Alice Schwarzer stellt «Emma» nach 50 Jahren ein – Redaktionsarchiv geht nach Marbach
Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer stellt das feministische Magazin «Emma» nach 50 Jahren ein. Die Ausgabe vom 8. Dezember wird die letzte sein; wirtschaftliche Gründe seien laut Schwarzer nicht ausschlaggebend.
Schwarzer erklärte, das Magazin habe über drei Generationen hinweg die Stellung gehalten und «gegen so manchen Unsinn im Namen des Feminismus» Position bezogen. «Sicher, auch unsere Auflage sinkt. Aber unsere Einnahmen decken immer noch die Ausgaben», sagte sie. «Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!» Ihr Fazit fasst sie in einen Reim: «Also gestattet: Jetzt sind wir ermattet.» Das Magazin gehörte bis zuletzt der Gründerin und blieb unabhängig von Konzernen, Werbung und Parteien.
Die erste «Emma» erschien am 26. Januar 1977. Schwarzer begründete die Gründung mit der Frauenfeindlichkeit der «Männermedien». Insgesamt erschienen 398 Ausgaben mit 36'584 Seiten. Nach eigener Darstellung griff die Redaktion Themen oft früh auf, etwa den Missbrauch von Kindern ab 1978 und den Islamismus ab 1979. Auch das Ehegattensplitting, Brustkrebs und Genitalverstümmelung seien vielfach erst durch «Emma» in den Fokus gerückt.
Die Chefredaktion hatte Schwarzer nie abgegeben. 2008 übernahm die Journalistin Lisa Ortgies die Leitung, doch es kam nach kurzer Zeit zum Zerwürfnis, und Schwarzer übernahm das Heft wieder. Sie habe immer wieder versucht, weitere Kolleginnen in ihrem Sinne zu finden, schreibt sie in der vorletzten Ausgabe, die am 27. Oktober erscheint. Einige infrage kommende Journalistinnen hätten jedoch andere Medien bevorzugt: «Da weht der Wind von aussen nicht ganz so rau.» Seit 2022 hatte sich Schwarzer für schnelle Friedensverhandlungen mit Russland ausgesprochen; 2024 räumte sie ein, dass daraufhin jede fünfte Leserin aus Protest ihr Abonnement gekündigt habe.
Für das Finale kündigt die Redaktion eine doppelt so umfangreiche Jubiläumsausgabe an, in der sie ihre 50 wichtigsten Themen bilanziert. Das komplette Redaktionsarchiv geht an das Deutsche Literaturarchiv Marbach und soll ab 2029 Interessierten, Medien und der Forschung offenstehen. Alle 398 Ausgaben sind zudem online im «Emma»-Lesesaal nachlesbar. Laut Redaktion soll die Marke online weiterleben. Schwarzer sagte: «Wir sind gewiss: Es wird auf die eine oder andere Art weitergehen.» Mehr dazu verspricht sie in den beiden letzten Ausgaben.
Quellen
SRF News: Aus für feministisches Blatt – Was sagt das Ende von «Emma» über den Feminismus von heute?
NZZ: Alice Schwarzer beendet «Emma» – die Themen indes haben sich nicht erledigt
Tages-Anzeiger: Aus für «Emma»: Alice Schwarzer bleibt für immer die Chefin – und sich selbst treu
NZZ: Alice Schwarzer stellt «Emma» nach 50 Jahren ein: die Geschichte des Magazins in Bildern
20 Minuten: Alice Schwarzer stellt ihr feministisches Magazin «Emma» ein
SRF News: Nach 50 Jahren – Alice Schwarzer stellt Magazin «Emma» ein
Nau.ch: Alice Schwarzer stellt «Emma» nach 50 Jahren ein
blue News: Alice Schwarzer stellt «Emma» nach 50 Jahren ein
Blick: Alice Schwarzer stellt das Magazin «Emma» ein
Tages-Anzeiger: Feministisches Magazin: Alice Schwarzer stellt Magazin «Emma» ein