Die EU-Kommission plant mehr Eisbrecher und Schutz für Unterseekabel in der Arktis
Die EU-Kommission hat eine neue Arktis-Strategie vorgestellt, die die Region stärker unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten betrachtet. Wie viel die Umsetzung kosten soll, ist offen.
Die neue Strategie ist die erste Überarbeitung seit 2021. Seither hat sich die Lage laut Darstellung der Kommission durch den Ukraine-Krieg und den Streit um Grönland stark verändert. Vorgesehen sind eine Koordinierungsstelle für die Überwachung und den Schutz von Unterseekabeln sowie die Beobachtung der russischen Schattenflotte und illegaler Fischerei. Zudem sollen die europäischen Eisbrecherkapazitäten aufgestockt und zivile Verkehrswege für die militärische Nutzung ausgebaut werden. Die EU will ausserdem Verteidigungstechnologien vorantreiben, die extremen klimatischen Bedingungen standhalten.
Zu den Eisbrechern erklärte ein EU-Beamter, zunächst müsse ermittelt werden, wie viele und welche Schiffe Europa benötige. Anschliessend könnte es eine gemeinschaftliche Beschaffung oder eine gemeinsam genutzte Schiffsflotte geben. Geprüft werden sollen laut der Strategie auch Kooperationen mit Partnerländern ausserhalb der EU sowie die Beschaffung von Eisbrechern mit leistungsstarkem Nuklearantrieb. Eine Gesamtsumme nennt die Kommission nicht, ebenso wenig Kosten für zentrale Vorhaben. Für die Infrastruktur verweist sie auf rund eine Milliarde Euro Kohäsionsgelder für die Arktis-Regionen bis 2027. Das Budget ab 2028 wird noch ausgehandelt.
Beim Öl und Gas bleibt die EU bei ihrem Kurs und will verhindern, dass in der Region neue Vorräte ausgebeutet werden. Bei kritischen Rohstoffen will sie sich dagegen einen Zugang sichern. In der Arktis lagern unter anderem Seltene Erden sowie Nickel, Kobalt und Graphit. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte, die EU wolle den Schutz der arktischen Umwelt und den Übergang zu einer klimafreundlichen Wirtschaft weiter vorantreiben. Die Arktis erwärme sich fast viermal schneller als der globale Durchschnitt.
Die Strategie sieht eine engere Zusammenarbeit mit Partnern wie Norwegen und Kanada vor. Der jüngste Streit um Grönland, bei dem US-Präsident Trump die Insel annektieren wollte, was zu einem Zerwürfnis mit Europa führte, wird in der Strategie nicht erwähnt.
Quellen
SRF News: Arktisstrategie der EU – Europa und das Rennen um die Arktis – die wichtigsten Fragen
NZZ: Die EU will neue Eisbrecher und mehr Schutz vor russischer Sabotage – aber noch ist ihre neue Arktis-Strategie diffus
zentralplus: EU wappnet sich für Konflikte in Arktis
Nau.ch: Neue Frontlinie: EU wappnet sich für Konflikte in der Arktis
blue News: Neue Frontlinie: EU wappnet sich für Konflikte in der Arktis