Bund und Beyond Gravity verdächtigen China hinter Cyberattacke auf Weltraumkonzern
Der Schweizer Weltraumkonzern Beyond Gravity ist Anfang Oktober Opfer einer gezielten Cyberattacke geworden. Recherchen zeigen: Beyond Gravity und der Bund gehen davon aus, dass China hinter dem Angriff steckt – offiziell bestätigen wollen sie dies aber nicht.
Beyond Gravity stellt Satelliten- und Raketentechnologie her und gehört dem Bund. Das Unternehmen informierte Anfang Oktober über einen Angriff durch einen mutmasslich «hochprofessionellen Akteur». Dabei wurden Daten gestohlen. Beyond Gravity und der Bund vermuten intern China als Angreifer, wie mehrere involvierte Personen berichten. Offiziell bestätigen wollen den China-Verdacht weder das Unternehmen noch das Verteidigungsdepartement VBS, das mit dem Bundesamt für Cybersicherheit den Angriff untersucht. Die Herkunft des Angreifers bleibe Gegenstand laufender Abklärungen, schreibt Beyond Gravity.
Ralph Weber, Professor am Europa-Institut der Universität Basel und Forscher zu chinesischen Geheimdiensten, ist wenig überrascht. Der Weltraum sei schon länger im Fokus der Nachrichtendienste, und die Rivalität zwischen den USA und China sei gross. Welche Informationen die Angreifer erbeuten konnten, ist nicht bekannt. Weber erklärt, dass es bei Spionage nicht nur um grosse Technologien gehe – oft würden auch scheinbar unbedeutende Einzelheiten beschafft, die zusammengesetzt für einen Nachrichtendienst von grossem Wert sein könnten.
Beyond Gravity hat wegen des Cyberangriffs bei der Berner Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht. Die Bundesanwaltschaft, die für die Verfolgung von politischen Delikten wie Spionage zuständig ist, ist bislang nicht tätig geworden. Die Geschäftsprüfungskommissionen von National- und Ständerat haben vom Datenabfluss Kenntnis erhalten, wie Maya Graf, Präsidentin der Geschäftsprüfungskommission des Ständerats, bestätigt.
Für Beyond Gravity wiederholt sich die Geschichte: Vor über zehn Jahren war der damalige Ruag-Konzern bereits Opfer einer gezielten Cyberattacke. Fachleute vermuteten damals Russland hinter dem Angriff. Die Bundesanwaltschaft eröffnete ein Strafverfahren, sistierte dieses aber 2018, weil sie die Täterschaft nicht eruieren konnte. Der Cyberangriff hatte gravierende Konsequenzen: Der Bundesrat beschloss, den Konzern aufzuteilen. Beyond Gravity ging 2022 aus dem Rüstungskonzern Ruag hervor und beliefert unter anderem das europäische Ariane-Raketenprogramm und die Nasa.
Quellen
20 Minuten: Steckt China hinter dem Hackerangriff auf Beyond Gravity?
zentralplus: Beyond Gravity: China wird verdächtigt
SRF News: Schweizer Weltraumkonzern – Nach Cyberattacke auf Beyond Gravity: Verdacht fällt auf China