Hans Gottschalk, Vater von Thomas Gottschalk, war Mitglied der NSDAP und der SA
Dokumente aus deutschen und polnischen Archiven belegen, dass der Vater des Entertainers Thomas Gottschalk Mitglied der NSDAP und der SA war.
Laut der Mitgliederkarte trat der Rechtsanwalt Hans Gottschalk am 1. November 1932 in die NSDAP ein, also noch vor der Machtübernahme Hitlers im Januar 1933. Die Unterlagen belegen zudem seine Mitgliedschaft in der paramilitärischen SA. Thomas Gottschalk (76) war 14 Jahre alt, als sein Vater 1964 an Krebs starb.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte Hans Gottschalk seinen Parteieintritt anders dar. In einem Lebenslauf von 1946 gab er an, erst im Frühjahr 1933 auf Druck seines Vorgesetzten beigetreten zu sein. Das frühere Eintrittsdatum könnte rückwirkend eingetragen worden sein. Er erklärte ausserdem, seine berufliche Stellung genutzt zu haben, um Widerstand gegen das NS-Regime zu leisten. Tatsächlich erhielt er Unterstützung von mehreren NS-Verfolgten. Die Jüdin Elly Rastetter, deren Mutter in Auschwitz ermordet worden war, erklärte 1946, Gottschalk sei kein nationalsozialistischer Aktivist gewesen. Auch ein Widerstandskämpfer stellte ihm ein positives Zeugnis aus. Dennoch wurde er im Dezember 1946 im Entnazifizierungsverfahren als «Mitläufer» eingestuft und musste 500 Reichsmark bezahlen, was heute grob 2500 Franken entspräche.
Der Politikwissenschaftler Jürgen Falter (82) spricht von einem ungewöhnlichen Fall. Die Mitgliedsnummer und das Eintrittsdatum deuteten auf 1932 hin, andere Angaben auf eine spätere Registrierung. Thomas Gottschalk hatte sich in seiner Autobiografie «Herbstblond» mit der Vergangenheit seines Vaters befasst und gefragt: «War er Opfer eines mörderischen Systems oder war er Täter?» Seine Mutter habe ihm stets versichert, der Vater sei kein Nazi gewesen. Zu den neuen Enthüllungen wollte sich Thomas Gottschalk nicht näher äussern und hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.
Die neuen Dokumente beantworten diese Frage nur teilweise. Die Parteimitgliedschaft ist belegt; welche Rolle Hans Gottschalk während der NS-Zeit tatsächlich spielte, bleibt offen. Das Bundesarchiv hat vor zwei Jahren alle Karteien digitalisiert. Namen aus den NS-Recherchen dürfen wegen gesetzlicher Schutzfristen erst 100 Jahre nach der Geburt oder zehn Jahre nach dem Tod einer Person veröffentlicht werden. Eine Online-Datenbank mit Millionen NSDAP-Mitgliedskarten steht Abonnenten zur Verfügung, ist aber nicht vollständig. Ein gleicher Nachname bedeutet zudem nicht automatisch eine Verwandtschaft.
Quellen
Blick: Thomas Gottschalks Vater war ein Nazi
20 Minuten: «Opfer oder Täter?» Thomas Gottschalks Vater war ein Nazi
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