Forschende fordern die WHO auf, die Klimakrise zur globalen Gesundheitsnotlage zu erklären

Mehr als 140 Forschende verlangen von der Weltgesundheitsorganisation WHO, die Klimakrise als globale gesundheitliche Notlage anzuerkennen. Ein neuer Bericht im Fachjournal «The Lancet» zeigt, dass hitzebedingte Todesfälle und wirtschaftliche Verluste deutlich zugenommen haben.

Zwischen 2016 und 2023 waren Hitze im Schnitt jährlich mit mehr als 540'000 Todesfällen verbunden. 68 Prozent davon führen die Autoren auf den Klimawandel zurück, im Jahrzehnt davor waren es 55 Prozent. Allein im Jahr 2023 schätzen sie 710'000 hitzebedingte Todesfälle, 71,5 Prozent davon dem Klimawandel zugeschrieben. Das sind mehr Todesopfer als durch Malaria.

Die Hitzewellen wirken sich auch auf die Produktivität aus. Die weltweite Wirtschaftsleistung sank im Jahr 2025 nach Schätzungen um 0,91 Prozent, was 1,07 Billionen US-Dollar entspricht. Besonders betroffen waren die Landwirtschaft und die Baubranche, regional Afrika und Südostasien. Im Jahr 2025 litt zudem mehr als die Hälfte der weltweiten Landfläche (51,8 Prozent) mindestens einen Monat lang unter extremer Dürre, dem zweithöchsten Stand überhaupt. In Australien verloren Menschen zwischen 2021 und 2025 durchschnittlich 34 Stunden Schlaf pro Jahr wegen steigender Nachttemperaturen.

Marina Romanello, Leiterin des Berichts am University College London, warnt: «Dies ist keine allmähliche Verschlechterung, sondern ein sprunghafter Wandel, der als der globale Gesundheitsnotstand anerkannt werden muss, der er ist.» Die Autoren kritisieren eine grosse Lücke zwischen dem Bedarf für den Gesundheitsschutz und dem tatsächlich investierten Geld. Die öffentlichen Entwicklungsmittel sind generell deutlich gesunken. Die USA kürzten diese laut dem Bericht von 2024 bis 2026 von 65,5 auf voraussichtlich 44,8 Milliarden US-Dollar, Deutschland um 7,4 Milliarden US-Dollar.

Die Forschenden fordern, dass die WHO ein neues Instrument schafft und bestehende Mechanismen der Uno nutzt. Gesundheitliche Folgen sollen bei allen Entscheidungen zu Klimaschutz, Anpassung und Finanzierung berücksichtigt werden. Ausserdem verlangen die Autoren schnellere Emissionssenkungen und mehr Investitionen in widerstandsfähige Gesundheitssysteme. Der Bericht richtet sich auch an die Teilnehmenden der Uno-Klimakonferenz COP31, die vom 9. bis 20. November im türkischen Antalya stattfindet.

Quellen

Nau.ch: Klimakrise: Forschende fordern globale Gesundheitsnotlage

20 Minuten: Hunderttausende Hitzetote – Notstand wegen Klimakrise?

Tages-Anzeiger: WHO soll handeln: Hunderttausende Hitzetote – Notstand wegen Klimakrise?

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