Doris Leuthard räumt zu tiefe Stromprognosen beim Atomausstieg 2017 ein

Die frühere Energieministerin Doris Leuthard räumt ein, dass sie den Strombedarf ab 2035 beim Atomausstieg 2017 unterschätzt hat. Ende Februar 2027 stimmt die Schweiz darüber ab, ob das AKW-Neubauverbot aufgehoben wird.

Derzeit gilt in der Schweiz ein AKW-Neubauverbot. Die Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-Swiss) hat eine umfassende Studie zur Kernenergie in der Schweiz vorgelegt, die untersucht, wie die Bevölkerung zum Thema steht. Die Berner Politikwissenschaftlerin Isabelle Stadelmann, Professorin an der Universität Bern und Co-Studienautorin, sagt, die Bevölkerung sei in dieser Frage gespalten: Die Hälfte sei dafür, die Hälfte dagegen, wobei die Befürworter derzeit eher im Vorteil seien. Wie die Abstimmung ausgeht, sei aber völlig ungewiss.

Die Versorgungssicherheit stehe bei der Bevölkerung oben auf der Prioritätenliste, auch wegen des russischen Kriegs in der Ukraine. Deshalb erhalte die Atomenergie etwas mehr Unterstützung als noch vor einigen Jahren. Die Bevölkerung unterscheide klar zwischen einer Laufzeitverlängerung bestehender Kraftwerke und einem Neubau. Für einen Neubau gebe es derzeit keine klare Mehrheit. Stadelmann weist zudem darauf hin, dass die Akzeptanz stark davon abhängt, wie konkret ein Vorhaben ist. Ein konkretes AKW-Projekt existiert derzeit nicht.

In der Parlamentsdebatte sei rasch die Finanzierungsfrage aufgekommen, die nach Einschätzung von Stadelmann die Debatte verändern dürfte. In Umfragen verteilten die Befragten hypothetische 100 Millionen Franken Staatsmittel auf verschiedene Technologien. In zwei unterschiedlichen Umfragen sagten 60 Prozent, sie würden keinen Franken in die Nuklearenergie investieren. Für allfällige Finanzierungsvorlagen für neue AKW dürfte es deshalb sehr schwierig werden.

Quellen

SRF News: AKW-Diskussion in der Schweiz – Politologin: «Die politischen Hürden für neue AKW sind sehr hoch»

Tages-Anzeiger: Schweizer Energiepolitik: Doris Leuthard räumt zu tiefe Stromprognosen beim Atomausstieg 2017 ein

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