Studie warnt: Gelockerte EU-CO2-Vorgaben könnten bis 2035 185.000 Autojobs kosten
Eine Untersuchung des International Council on Clean Transportation (ICCT) warnt, dass eine Lockerung der EU-CO2-Vorgaben für Pkw bis 2035 bis zu 185.000 Arbeitsplätze in der europäischen Pkw-Industrie kosten könnte.
Die ICCT-Studie hat drei regulatorische Szenarien und deren Auswirkungen auf die Beschäftigung in der EU bis 2035 untersucht. Bei unveränderten CO2-Vorgaben bliebe die Beschäftigung weitgehend stabil und läge innerhalb von rund zwei Prozent des Niveaus von 2025. Ergänzende industriepolitische Massnahmen zur Förderung der Produktion innerhalb der EU könnten dagegen einen Zuwachs von rund zehn Prozent beziehungsweise etwa 320.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen ermöglichen. Eine Lockerung der Standards könnte hingegen einen Rückgang um bis zu sechs Prozent beziehungsweise 185.000 Stellen verursachen.
Zwischen dem Szenario mit gelockerten Vorgaben und einer Kombination aus bestehenden CO2-Standards und industriepolitischer Unterstützung ergibt sich bis 2035 eine Differenz von rund 500.000 Arbeitsplätzen. Bis 2030 fallen die Unterschiede laut der Untersuchung vergleichsweise gering aus, bis 2035 nehmen sie deutlich zu. Den grössten Anteil hat die Pkw-Produktion; zunehmend tragen auch die Batterieherstellung, das Recycling sowie die Installation und Wartung von Ladeinfrastruktur zu den Unterschieden bei. Eine Lockerung würde den Stellenabbau bei der Produktion von Verbrennungsmotoren zwar vorübergehend bremsen, zugleich aber den Stellenaufbau bei Elektrofahrzeugen, in der Batterieproduktion, im Recycling und bei der Ladeinfrastruktur verlangsamen.
Die Untersuchung erscheint vor dem Hintergrund der laufenden EU-Überprüfung der CO2-Standards für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Für neue Pkw gelten derzeit flottenweite Emissionsminderungsziele von 55 Prozent bis 2030 und 100 Prozent bis 2035, jeweils gegenüber dem Niveau von 2021. Diskutiert werden eine Verschiebung dieser Zielvorgaben und zusätzliche Flexibilitätsregelungen. Einige Befürworter einer Verschiebung verweisen auf Beschäftigungsrisiken durch den Umstieg auf batterieelektrische Fahrzeuge.
ICCT-Forschungsleiterin und Studienhauptautorin Sandra Wappelhorst spricht sich dafür aus, die bestehenden CO2-Standards durch Massnahmen zur Stärkung europäischer Lieferketten für Elektrofahrzeuge zu ergänzen. Ob zusätzliche Arbeitsplätze in diesen Bereichen entstehen, hängt nach der Untersuchung von der Geschwindigkeit des Umstiegs auf Elektrofahrzeuge und davon ab, welcher Anteil der damit verbundenen Produktion innerhalb der EU stattfindet. Peter Mock, Direktor von ICCT Europe, sagt: «Batterieelektrische Fahrzeuge setzen sich weltweit auf den Märkten durch, und die CO₂-Normen der EU werden massgeblich darüber entscheiden, welche Rolle Europa bei dieser Entwicklung spielen wird.» Die Beibehaltung der aktuellen CO₂-Normen werde dazu beitragen, dass europäische Hersteller an die Spitze des Marktes für Elektrofahrzeuge rückten.
Quellen
ecomento.de: ICCT-Studie: Gelockerte EU-CO2-Vorgaben könnten 185.000 Automobiljobs kosten
electrive.net: ICCT-Studie: Lockerung der CO2-Standards für Pkw gefährdet Jobs
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