Türkei schlägt OSZE-Generalsekretär Sinirlioglu als Uno-Generalsekretär vor

Die Türkei hat den OSZE-Generalsekretär Feridun Sinirlioglu als Kompromisskandidaten für die Nachfolge von Uno-Generalsekretär António Guterres nominiert. Das Nominierungsschreiben wurde am Freitag beim Uno-Hauptquartier in New York eingereicht.

Die Nominierung erfolgte, nachdem sich der Uno-Sicherheitsrat in der Personalfrage bislang nicht einigen konnte. Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete unter Berufung auf Quellen im Aussenministerium. Das Schreiben übermittelte der türkische Uno-Botschafter am Freitag an das Hauptquartier in New York.

Sinirlioglu vertrat die Türkei von 2016 bis 2023 bei den Vereinten Nationen. Ende 2024 wurde er einstimmig zum Generalsekretär der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit Sitz in Wien gewählt. Der OSZE gehören unter anderem Russland, Staaten Nordamerikas und Asiens an. Zu Zeiten der Interimsregierung 2015 war er kurzzeitig türkischer Aussenminister.

Guterres scheidet Ende Jahr aus dem Amt. Die 15 Mitglieder des Sicherheitsrats befinden sich noch in der Findungsphase, in der geheime Probeabstimmungen durchgeführt werden. Die fünf ständigen Mitglieder China, Frankreich, Russland, Grossbritannien und die USA können Kandidaten mit einem Veto blockieren. Bei einer Einigung wird die Personalie den 193 Mitgliedstaaten in der Generalversammlung vorgeschlagen.

Unter den Uno-Mitgliedern herrschte weitgehend Einigkeit, dass der Posten erstmals von einer Frau besetzt werden sollte. Gemäss der regionalen Rotationsregel wären diesmal die Länder Lateinamerikas und der Karibik an der Reihe. Sinirlioglu erfüllt keines dieser Kriterien, hat aber den Rückhalt des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan. Dieser gilt als im Nahen Osten bestens vernetzt und als geschickter Strippenzieher.

Erdogan fordert seit vielen Jahren eine Reform des Uno-Systems, insbesondere des Sicherheitsrats. Er kritisiert, dass die Mitglieder mit Vetorecht unverhältnismässig grossen Einfluss hätten. Diesen Vorwurf fasste er im September 2026 in seiner Rede vor der Uno-Generalversammlung im Satz «Die Welt ist grösser als fünf» zusammen.

Quellen

zentralplus: Türkei lanciert eigenen Uno-Kandidaten

Nau.ch: Türkei nominiert OSZE-Chef für Guterres-Nachfolge

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