Bundesrat reduziert Auswahl für zweites Luftabwehrsystem auf Israel und Frankreich
Der Bundesrat hat die Auswahl für ein zweites Luftabwehrsystem grosser Reichweite auf das israelische Barak MX und das französisch-italienische SAMP/T NG beschränkt. Am US-System Patriot hält er trotz Lieferverzögerungen und massiver Mehrkosten fest.
Das Verteidigungsdepartement (VBS) prüft nun die beiden verbleibenden Systeme vertieft. Neben militärischen, rüstungs- und sicherheitspolitischen sowie technischen Aspekten sind auch aussen- und wirtschaftspolitische Kriterien zu berücksichtigen. Dafür arbeitet das VBS mit den Departementen EDA, WBF, EFD und EJPD zusammen. Der Typenentscheid soll Anfang 2027 fallen. Ausgeschieden ist der südkoreanische Konkurrent.
Armasuisse hat vier Systeme getestet, das israelische System ging dabei als bestes hervor. Der Bundesrat hat das VBS jedoch beauftragt, auch politische Kriterien einzubeziehen. Barak MX wurde ursprünglich gemeinsam mit Indien entwickelt und gilt militärisch als hoch entwickelt und erprobt; aussenpolitisch ist es angesichts des Nahost-Konflikts laut Berichten heikel. Das französisch-italienische SAMP/T NG des Eurosam-Konsortiums mit MBDA und Thales steht noch bei keiner Armee im Einsatz. Als Favorit gilt in Bundesbern Frankreich. Ein Zuschlag könnte das nach dem F-35-Entscheid belastete Verhältnis zu Paris verbessern.
Beim Patriot-System hält der Bundesrat fest, weil ein Abbruch ohne sofort einsatzbereite Alternative aus Sicherheitsgründen keine Option sei. Ursprünglich sollten die fünf bestellten Feuereinheiten ab 2027 eintreffen. Im Frühjahr 2026 eröffneten die USA der Schweiz, dass sich die Lieferung um fünf bis sieben Jahre verzögere. Die prognostizierten Kosten stiegen von ursprünglich 2 Milliarden auf bis zu 3,7 oder gar 4,3 Milliarden Franken. Nachdem Bern einen Zahlungsstopp verhängt hatte, hob der Bundesrat diesen im Juni wieder auf, um das F-35-Projekt nicht zu gefährden. Rüstungschef Urs Loher sagte, die Schweiz erhalte nun zumindest einen Teil ihrer Anzahlungen von über einer Milliarde Franken aus den USA zurück.
Zwei bis drei Milliarden müsste die Schweiz sofort als Anzahlung leisten. Die SP bezeichnete eine Kooperation mit Israels Rüstungsindustrie als «ein Skandal». Verteidigungsminister Martin Pfister wollte, dass das Parlament den Kauf im Eiltempo behandelt. Das verhinderten die Linke und die finanzpolitisch restriktive SVP.
Quellen
SRF News: Neues Flugabwehrsystem – Das Militär würde in Israel kaufen – die Politiker eher nicht
SRF News: Luftverteidigung – Bundesrat beschränkt Luftabwehr-Auswahl und hält an Patriot fest
SRF News: Luftverteidigung – Bundesrat beschränkt Flugabwehr-Auswahl und hält an Patriot fest
zentralplus: Zwei Anbieter für Luftabwehr in Auswahl
Blick: Luftverteidigung: Der Bundesrat kann sich nicht entscheiden
Nau.ch: Anbieter aus Israel und Frankreich für Luftabwehrsystem im Rennen
blue News: Anbieter aus Israel und Frankreich für Luftabwehrsystem im Rennen
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