Zehntausende protestieren in Deutschland – am Abend Plünderungen und Ausschreitungen
Zehntausende Jugendliche haben sich in Deutschland den Protesten der Initiative «Gen Z regelt» angeschlossen. Nach einem friedlichen Auftakt kam es am Abend in mehreren Städten zu Ausschreitungen, besonders in Frankfurt und Köln.
Am Samstag, 31. Oktober, gingen in mehr als 30 deutschen Städten Zehntausende Menschen auf die Strasse. Die Initiative «Gen Z regelt» fordert mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, Massnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, soziale Gerechtigkeit und mehr Klimaschutz. Sie lehnt eine Wehrpflicht und einen Ausbau staatlicher Überwachung ab. Bis 16.30 Uhr hatten sich online über 183'900 Menschen für die Teilnahme angemeldet; die offiziell angemeldeten Teilnehmerzahlen waren deutlich niedriger.
Zum Auftakt am frühen Nachmittag kamen in mehreren Städten zunächst weniger Teilnehmende als angemeldet, danach stiegen die Zahlen stark an. Die Initiative sprach am späten Nachmittag aus zunächst 12 Städten von über 68'000 Teilnehmenden und kurz vor 20 Uhr von mehr als 100'000. Bundesweite Zahlen der Polizei lagen zunächst nicht vor; in einigen Städten fielen sie niedriger aus als die Angaben der Veranstalter. Teils wurden Demonstrationen wegen Verstössen gegen das Vermummungsverbot gestoppt. In Köln sagte die Polizei eine Demonstration wegen der Vermummung einiger Teilnehmender und des Einsatzes von Pyrotechnik kurzfristig ab. Am Rande einiger Proteste wurde laut Polizei Pyrotechnik gezündet. Aus Angst vor Ausschreitungen hatten viele Geschäfte in Innenstädten und Luxus-Einkaufsstrassen ihre Schaufenster verbarrikadiert.
Am Abend kam es in mehreren Städten zu Gewalt. In Frankfurt wurden Schaufensterscheiben eingeschlagen, es kam zu Plünderungen, und Polizisten wurden verletzt; auf Polizisten wurden auch Molotowcocktails geworfen. In Berlin-Mitte nahe den Hackeschen Höfen wurden Eier und Flaschen geworfen, vereinzelt auch Böller. In Hamburg brannten Barrikaden, und in mehreren Städten kamen Wasserwerfer zum Einsatz. Die Polizei in Berlin hatte Demonstrierende zuvor aufgerufen, sich friedlich zu verhalten, keine Pyrotechnik zu benutzen und sich von Gewalt zu distanzieren.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei für den Bereich Bundespolizei, Andreas Rosskopf, sagte einer deutschen Zeitung: «Die Proteste der Gen Z haben sich als sehr friedlich rausgestellt.» Nach dem Ende der eigentlichen Veranstaltungen habe sich die Lage in einigen Städten jedoch zugespitzt. Die Initiative zog ein positives Fazit. Ein Sprecher des Presseteams sagte: «Was nach dem Ende der Kundgebungen passiert ist, darauf hatten wir keinen Einfluss.» Die Initiative will in drei Wochen erneut viele junge Menschen mobilisieren und sich an den europaweiten Protesten am 20. November beteiligen. Die Sicherheitsbehörden des Bundes hatten zuvor keine weitergehenden Erkenntnisse zu Gewaltaufrufen.
Quellen
blue News: Frankfurter Chaosnacht überschattet Gen-Z-Demonstrationen
blue News: Plünderungen und Gewalt überschatten Gen-Z-Demonstrationen
NZZ: Jugendproteste in Europa: Plünderungen in Frankfurt
SRF News: Deutsche Jugendproteste – Ausschreitungen in Deutschland nach friedlichen Protesten
Blick: Deutschland im Ausnahmezustand – die Proteste in Bildern
Nau.ch: Zehntausende bei Jugendprotesten in Deutschland
blue News: Zehntausende bei Jugendprotesten in Deutschland
SRF News: Deutsche Jugendproteste – Zehntausende Jugendliche gehen in Deutschland auf die Strasse
SRF News: Deutsche Jugendproteste – Tausende Jugendliche gehen in ganz Deutschland auf die Strasse
zentralplus: Proteste in Deutschland
20 Minuten: Angst vor Gen-Z-Protesten: Luxusläden riegeln Schaufenster ab
blue News: Proteste wie in Frankreich: In Deutschland gehen heute Tausende Menschen auf die Strasse
Blick: Deutschland fürchtet Mega-Proteste an Halloween
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