Psychiatrie Baselland muss Lücke bei Dolmetschkosten selbst decken
Die Psychiatrie Baselland (PBL) muss ihre Ausgaben für Dolmetschleistungen senken und setzt dabei auf KI-Lösungen. Der Landrat hat ein Kostendach von 419'000 Franken statt der vorgesehenen 650'000 Franken festgelegt, das Defizit muss die PBL vorerst selbst decken.
Die Kosten für Dolmetschende, die die PBL für die Kommunikation mit fremdsprachigen Patientinnen und Patienten bezahlt, steigen. Der Kanton finanziert diese. Der Landrat hat im November 2025 für die Jahre 2026 und 2027 ein jährliches Kostendach von 419'000 Franken beschlossen, die Regierung hatte 650'000 Franken vorgesehen. Knapp ein Jahr nach dem Entscheid sagte Matthias Wehrli, Leitender Arzt für Erwachsenenpsychiatrie am Zentrum für psychische Gesundheit der PBL in Binningen, die Kosten liessen sich nicht so schnell dämpfen. Die PBL müsse das Defizit vorerst auf eigene Kosten decken.
Bisher kam die dolmetschende Person laut Wehrli in der Regel vor Ort ins Gespräch. Eine Zuschaltung per Video oder Telefon könne Einsparungen bringen, weil Wegzeiten entfallen. Dafür brauche es aber Ausrüstung und Partner, und es sei nicht in jeder Situation geeignet. «In der Psychiatrie und Psychotherapie können wir nicht über Apparate Befunde erheben wie in der Körpermedizin», sagte Wehrli. Man sei auf die Sprache als zentrales Medium und den direkten Austausch angewiesen. Dialekte, Sprachbilder und nonverbale Signale wie die Lautstärke seien wichtig, bei Übertragungen könnten Details untergehen. Nicht alle Dolmetschenden seien bereit, aus der Ferne zu arbeiten.
Bei Erstkontakten setzt die PBL weiterhin auf Dolmetschende vor Ort. Gerade bei Kriseninterventionen lassen sich Missverständnisse so besser vorbeugen und ausräumen. Manche Patientinnen und Patienten bringen laut Wehrli ein Misstrauen gegenüber Autoritätsfiguren mit und nehmen die Behandelnden als Behörden wahr. Die Zahl der Patientinnen und Patienten, die nicht-europäische Sprachen sprechen, sei in den letzten Jahren gestiegen. Sie stammten etwa aus Afghanistan, dem syrisch-kurdischen Raum oder vom Horn von Afrika, kämen aus Krisengebieten und hätten teilweise belastende Fluchtrouten hinter sich. Wehrli zeigte Verständnis dafür, dass die Politik bei steigenden Kosten reagieren wolle, und hofft auf Verständnis dafür, dass die PBL die Migration nicht steuern könne.
Zum Thema KI sagte PBL-Sprecherin Joëlle Beeler, die PBL teste im Rahmen der Digitalisierung schon vor dem Landratsentscheid in vielen Bereichen Anwendungen. Beim KI-Dolmetschen nahm die PBL zusammen mit dem Kantonsspital Baselland an einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften teil. Wehrli zeigte sich optimistisch, was das Potenzial von KI-Lösungen in der Zukunft betrifft.
Quellen
Nau.ch: Psychiatrie Baselland muss Lücke bei Dolmetschkosten selbst decken
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