Le Pen legt nach den Ausschreitungen in Umfragen zu und startet in den Wahlkampf

Laut einer neuen Ifop-Umfrage hat Marine Le Pen seit den Ausschreitungen an Zustimmung gewonnen. Am Parteitag des Rassemblement National in Orléans hat sie vor rund 8500 Anhängerinnen und Anhängern ihren Wahlkampf um die französische Präsidentschaft eröffnet.

Gemäss der Ifop-Umfrage erreicht Le Pen je nach Kandidatenkonstellation 34 bis 38 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang, ein bis zwei Punkte mehr als zuvor. In der zweiten Wahlrunde steht sie in sämtlichen Szenarien als Gewinnerin da. Ob die Unruhen den Zuwachs verursacht haben, lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Am 18. April 2027 entscheiden die Menschen in Frankreich über den neuen Präsidenten oder die neue Präsidentin. Erhält niemand die absolute Mehrheit, fällt die Entscheidung in einer Stichwahl am 2. Mai. Amtsinhaber Macron kann nicht mehr antreten.

In ihrer Rede wollte Le Pen Frankreich «seine Macht, seine Grösse und seine Ausstrahlung» zurückgeben. Unter dem Motto der «Wiedergeburt» («Renaissance») sprach sie sich für harte Migrationspolitik, die Bekämpfung krimineller Organisationen und nationale Souveränität aus. Die Unruhen vom 17. Oktober machte sie für die Regierung und die Einwanderungspolitik verantwortlich und forderte ein härteres Durchgreifen der Behörden. Zudem versprach sie eine harte Hand und neue Ölbohrungen auf französischem Boden. Es ist ihr vierter Anlauf, zur ersten Präsidentin Frankreichs gewählt zu werden. «Ich bin weder der rechte Flügel noch der linke Flügel. Ich bin der Vogel», sagte die 58-Jährige.

Um ihre finanzpolitische Glaubwürdigkeit zu untermauern, stellte Le Pen einen alternativen Haushaltsplan mit milliardenschweren Einsparungen vor. Den Nettobeitrag Frankreichs zur EU will sie auf maximal fünf Milliarden Euro kürzen. Regierung, Experten und Wirtschaftsmedien kritisierten den Plan als unrealistisch und ungenau. Der Staat ist so hoch verschuldet wie noch nie.

Die Proteste setzen den innenpolitisch geschwächten Präsidenten Macron und die Regierung unter Druck. Die Behörden behielten am zweiten Demonstrationswochenende grösstenteils die Kontrolle; für kommenden Samstag sind erneut Kundgebungen angekündigt. Bei den anderen politischen Lagern ist das Feld noch offen, insbesondere das Mitte-Lager hat sich nicht klar sortiert. Die Ifop-Umfrage sieht Jean-Luc Mélenchon, Raphaël Glucksmann, Édouard Philippe, Gabriel Attal und Marine Tondelier weit hinter Le Pen.

Quellen

SRF News: Frankreich – Wahlkampfstart der Rechten – Le Pen im Aufschwung?

SRF News: Präsidentenamt in Frankreich – Le Pen startet mit einem Lächeln und Rückenwind in den Wahlkampf

zentralplus: Le Pen startet Wahlkampf in Orléans

NZZ: Wegen Demonstrationen: Die Polizei begleitet den Parteitag des Rassemblement national in Orléans mit einem Grossaufgebot

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