Huthi-Miliz belagert Jemens drittgrösste Stadt Tais inzwischen vollständig
Die Lage in der jemenitischen Stadt Tais verschärft sich nach Angaben von Menschenrechts- und Hilfsorganisationen weiter dramatisch. Kämpfer der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz belagern die Grossstadt laut Anwohnern inzwischen vollständig.
Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) herrscht in Tais ein akuter Mangel an Treibstoff, Lebensmitteln, Wasser, Medikamenten und Kochgas. Niku Dschafarnia, Jemen-Expertin bei HRW, sagte: «Die Huthi können die humanitäre Katastrophe, die sie bei der Zivilbevölkerung verursachen, nicht mit der Belagerung von Tais rechtfertigen.» Die Rebellen müssten unverzüglich die Einfuhr von Lebensmitteln, Treibstoff, Medikamenten und Wasser sowie die Lieferung humanitärer Hilfe ermöglichen.
Tais war bereits ab 2015 jahrelang von den Huthi belagert worden. Nachdem 2024 einige Zufahrtsstrassen geöffnet worden waren, wurde die Stadt im Zuge einer neuen Offensive der Miliz erneut eingekesselt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor Ausbrüchen übertragbarer Krankheiten. Die Provinz Tais gehört laut WHO zu den am stärksten von einem Cholera-Ausbruch betroffenen Gebieten des Landes. Zugleich beherbergt sie mit rund 126'000 Menschen den grössten Anteil der insgesamt etwa 276'000 Vertriebenen im Jemen (Stand 24. Oktober). Die Lage in Unterkünften, bei der Wasserversorgung und in sanitären Einrichtungen stellt weiterhin die grössten Gesundheitsrisiken dar; zudem gebe es Unterbrechungen bei der Abfallentsorgung.
Das UN-Nothilfebüro OCHA zeigt sich besonders besorgt über die Wasserversorgung. Viele Menschen seien auf Trinkwasser aus Lastwagen angewiesen, sagte OCHA-Sprecher Jens Laerke. Der Diesel werde knapp. Die Wasserproduktion habe sich innerhalb der vergangenen Wochen halbiert, der Preis für das gelieferte Wasser habe sich verdreifacht. Einige medizinische Hilfsgüter hätten Tais laut WHO erreicht, weitere lägen aufgrund eingeschränkter Zufahrtswege in Lagern in Aden.
Die vom Iran unterstützten Huthi kämpfen im Jemen gegen die Truppen der international anerkannten Regierung und ihre Verbündeten. Saudi-Arabien unterstützt in dem Konflikt die jemenitische Regierung.
Quellen
Nau.ch: Jemens drittgrösste Stadt belagert - humanitäre Krise wächst
blue News: Jemens drittgrösste Stadt belagert – humanitäre Krise wächst
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