Über 100'000 Menschen protestieren in Italien gegen Melonis Regierung
In Italien haben mehr als 100'000 Menschen landesweit gegen die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni demonstriert. Die grössten Kundgebungen fanden in Rom, Mailand, Neapel und Turin statt.
Die Kundgebungen fanden im Rahmen eines landesweiten Protesttags in mehr als 50 Städten statt. Dazu hatte die Gewerkschaft USB aufgerufen, die zusätzlich zu Arbeitsniederlegungen im öffentlichen Nah- und Fernverkehr und im Gesundheitswesen aufrief. Die Gewerkschaft sprach am Mittag von mindestens einer Million Demonstrierenden. Zahlen der Polizei lagen zunächst nicht vor. Viele Schülerinnen, Schüler und Studierende beteiligten sich. Sie fordern mehr Geld für Schulen und Universitäten.
Die Proteste richten sich gegen die seit Herbst 2022 regierende Koalition aus drei rechten und konservativen Parteien. Ihr werden die hohe Inflation, niedrige Löhne und enorme Rüstungsausgaben angelastet. Die Inflationsrate liegt laut vorläufigen Berechnungen diesen Monat bei 5,4 Prozent, so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr. Auf Spruchbändern standen Parolen wie «Legt die Waffen nieder, hebt die Löhne an» oder «Nein zur Kriegswirtschaft». Neben der italienischen Trikolore waren vielerorts auch Palästina-Flaggen zu sehen.
Verkehrsminister Matteo Salvini hatte Streiks in Transportbereichen wegen des Feiertags Allerheiligen am 1. November per Anordnung verboten, was in Italien gesetzlich möglich ist. Die Gewerkschaft kündigte an, sich darüber hinwegzusetzen. Die Behinderungen im Nah- und Fernverkehr hielten sich am Vormittag jedoch in Grenzen. In Rom zogen Demonstrierende vor das Verkehrsministerium. Von einem Generalstreik konnte laut Berichten keine Rede sein.
Die meisten Kundgebungen verliefen bis zum Mittag friedlich. In Turin kam es zu Rangeleien zwischen Demonstrierenden und der Polizei, in anderen Städten gab es vereinzelte Auseinandersetzungen. Vor zwei Wochen waren bei Demonstrationen allein in Mailand mehr als 200 Sicherheitskräfte verletzt worden. Die Sicherheitskräfte waren mit einem Grossaufgebot im Einsatz. In Rom wurde das Kolosseum besonders geschützt, in Mailand der Dom. Die Veranstalter appellierten an die Teilnehmenden, keine Kapuzen oder Helme zu tragen.
Italien wählt im nächsten Jahr neu. In den Umfragen liegen Meloni, die seit mehr als vier Jahren am Stück regiert, und ihre Partei Fratelli d'Italia vorn. Rechtes und linkes Lager halten sich insgesamt etwa die Waage.
Quellen
SRF News: Proteste in Italien – Über 100'000 demonstrieren gegen die Regierung Meloni
zentralplus: Proteste gegen Meloni-Regierung
Tages-Anzeiger: Proteste in Italien: Über 100'000 demonstrieren gegen Melonis Regierung
Nau.ch: Mehr als 100.000 protestieren in Italien gegen Meloni
Tages-Anzeiger: In 50 Städten: Proteste in Italien: Gewerkschaften machen gegen Meloni mobil
Nau.ch: Proteste in Italien - Gewerkschaften machen gegen Meloni mobil
blue News: Proteste in Italien – Gewerkschaften machen gegen Meloni mobil
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