EU-Kommission will Europa mit neuem Gesetz besser gegen Klimaschäden wappnen

Die EU-Kommission will Europa mit einem neuen Klimaresilienzgesetz besser vor Dürren, Überschwemmungen und Waldbränden schützen. Die EU-Länder sollen Klimarisiken künftig nach gleichen Grundannahmen bewerten.

Klimaresilienz soll nach dem Willen der Kommission künftig in allen wichtigen Politikbereichen der EU mitgedacht werden. Gemeint ist die Fähigkeit, sich auf Klimafolgen vorzubereiten, ihnen standzuhalten und sich von Schäden zu erholen. EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra sprach in Brüssel vom Sommer 2026 als dem «Sommer der Wahrheit». Neben dem Verlust von Zehntausenden Menschenleben durch die Hitze und 700'000 Hektar verbranntem Land habe auch die Wirtschaft enorm gelitten, etwa weil Schiffe teils weder den Rhein noch die Donau befahren konnten. Fachleute schätzten die Kosten des Sommers auf mehr als 100 Milliarden Euro. In Deutschland kam es mehrfach zu Hitzeschäden an Schienen, Bahnstrecken mussten teils gesperrt werden.

Das geplante Klimaresilienzgesetz soll sicherstellen, dass die EU-Länder mit denselben Grundannahmen ihre Klimarisiken bewerten und ihre Vorsorge planen. Sie sollen von einer Erwärmung um 1,5 Grad bis 2030, 2 Grad bis 2050 und 3 Grad bis 2100 ausgehen. Jedes Land soll seine Vorhaben in einem einzigen Plan bündeln, statt mehrere teilweise überschneidende Pläne vorzulegen. Die Länder sollen ihre behördlichen Zuständigkeiten klar festlegen. Wie sie sich gegen Hitze, Dürre oder Hochwasser schützen, bleibt ihnen weitgehend selbst überlassen, entsprechend ihren Risiken und Prioritäten.

Der «European Climate Viewer» soll Gefahren für bestimmte Orte und Zeiträume auf Karten zeigen. Behörden sowie Nutzerinnen und Nutzer können so modellierte Folgen wie Hitze oder Starkregen etwa auf das Schienennetz einsehen, beispielsweise welche Zugstrecken betroffen sein könnten. Weitere Plattformen sollen Behörden helfen, erprobte Massnahmen zu finden, durchsuchbar nach Region, Branche oder Gefahr. Die geschätzten wirtschaftlichen Verluste durch Klimaschäden lagen im Zeitraum 2022 bis 2025 bei rund 200 Milliarden Euro, also etwa 50 Milliarden Euro pro Jahr. Die Kommission veranschlagt den Investitionsbedarf für Klimaresilienz und Anpassung auf rund 70 Milliarden Euro im Jahr. Der Nutzen durch vermiedene Schäden könne mehr als zehnmal so hoch sein.

Die Kommission arbeitet laut Mitteilung ausserdem an einem Plan für Hitzewellen und will das Thema Klimaversicherung für Verluste durch Katastrophen angehen. Zudem ist eine Wasserinitiative geplant, die sich unter anderem mit Wassereffizienz und Wiederverwendung befassen soll. Nach Daten des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus war der Sommer 2026 für Westeuropa der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Bis zum 2. September war die in der EU verbrannte Fläche fast doppelt so gross wie im Schnitt von 2006 bis 2025. Britische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schätzen, dass die Hitze im Sommer in europäischen Städten etwa 50'000 Menschen das Leben kostete, mehr als je zuvor.

Quellen

SRF News: Neue Klimadaten – EU will Klimaresilienzgesetz gegen Hitze und Hochwasser

zentralplus: EU plant neue Klima-Massnahmen

Nau.ch: EU-Kommission will Europa besser gegen Klimaschäden wappnen

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