Audi-Chef Döllner verteidigt Auftritt mit Trump nach heftiger Kritik
Audi-Chef Gernot Döllner verteidigt seinen Auftritt bei einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump. Zuvor hatte Audi den Bau eines ersten eigenen Werks in den USA im Bundesstaat Georgia angekündigt, was in Deutschland Kritik auslöste.
Trump gab die Pläne am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Perry im Bundesstaat Georgia bekannt. Anschliessend trat Döllner auf die Bühne und dankte Trump für dessen Unterstützung vor den Zwischenwahlen am 3. November.
Audi plant ein Werk auf dem rund 620 Hektar grossen Gelände der Middle Georgia Megasite. Die Investition beträgt rund 4 Milliarden US-Dollar (etwa 3,6 Milliarden Euro), geschaffen werden laut Audi rund 4500 Arbeitsplätze. Die Jahreskapazität liegt bei 200'000 Fahrzeugen. Gebaut werden sollen Premium-SUV für nordamerikanische Kundinnen und Kunden, der Schwerpunkt liegt zunächst auf Benzinern und Plug-in-Hybriden. Konkrete Modelle nennt Audi noch nicht. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, die Produktion soll Anfang der 2030er-Jahre starten. Die Behörden in Georgia nennen für Erdarbeiten 2027, den Bau 2028 und einen Produktionshochlauf ab 2031. Audi begründet den Schritt mit Marktnähe und einem geringeren Risiko durch Handelsbeschränkungen. Nordamerika soll neben Europa und China dritte Säule des Produktionsnetzwerks werden, Deutschland und Europa bleiben laut Audi das industrielle Rückgrat.
In Deutschland stösst der Auftritt auf Kritik. Die Gewerkschaften bezeichnen Audi als «Spielball im US-Wahlkampf». Mit den Arbeitnehmervertretern sei nichts abgesprochen, und eine belastbare Entscheidung der Unternehmensgremien liege noch nicht vor. Angesichts der Überkapazitäten hätten die deutschen Standorte weiterhin höchste Priorität. Daniela Cavallo, Konzernbetriebsratschefin von Volkswagen, wirft Döllner aktive Wahlkampfhilfe für Trump vor. Angesichts der Rede und seines Auftritts müsse man vor «Scham im Boden versinken». Sie sieht zudem einen Verstoss gegen interne Audi-Leitlinien, die öffentliche Termine mit Wahlkandidaten in den letzten drei Monaten vor Wahlen untersagen. Auch den Volkswagen-Vorstand unter Oliver Blume kritisiert sie und wirft ihm vor, sich politisch instrumentalisieren zu lassen. Ein Werk in den USA hält sie betriebswirtschaftlich dagegen für nachvollziehbar, weil der US-Markt gross ist und der Marktanteil von Volkswagen dort klein. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sieht wirtschaftliche Chancen.
Offen ist, ob die Investition Zollvergünstigungen für den gesamten Konzern ermöglicht, und wie verlässlich Zusagen über einen Regierungswechsel in den USA hinaus wären.
Quellen
Blick: «Ich verkaufe meinen Audi, sonst muss ich mich fremdschämen!»
Nau.ch: Audi-Chef Döllner verteidigt Auftritt mit Trump
zentralplus: Kritik nach US-Auftritt von Audi-Chef
auto motor und sport: Made in America: Diese Audi-Modelle könnten in den USA gebaut werden
Nau.ch: Audi plant Werk in den USA – Milliardeninvestition sorgt für Streit
Blick: Audi baut für 4 Milliarden Dollar ein US-Werk
Nau.ch: Kritik an Auftritt von Audi-Chef bei Trump
auto motor und sport: Audi kündigt US-Werk an : 4.500 neue Audi-Jobs - für die USA
NZZ: Döllner bei Trump: Ein Audi-CEO muss Autos verkaufen, nicht Haltung zeigen
Nau.ch: Auf Trump-Wahlkampftour: Audi kündigt SUV-Werk in den USA an
blue News: Auf Trump-Wahlkampftour: Audi kündigt SUV-Werk in den USA an
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