Audi verdient im dritten Quartal nur noch 95 Millionen Euro und senkt die Prognose

Der VW-Konzern Audi hat im dritten Quartal nach Steuern knapp die roten Zahlen vermieden und 87 Prozent weniger verdient als im Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen passt daraufhin seine Prognose für das Gesamtjahr nach unten an.

Nach neun Monaten weist Audi einen Gewinn von 1,22 Milliarden Euro und einen Umsatz von 42 Milliarden Euro aus, beides starke Rückgänge. Im Vorjahresquartal lag der Gewinn noch bei 718 Millionen Euro. Der Konzernumsatz soll im Gesamtjahr nun 55 bis 59 Milliarden Euro betragen, bisher waren 58 bis 63 Milliarden Euro erwartet. Die operative Umsatzrendite wird neu auf drei bis fünf Prozent geschätzt, zuvor auf fünf bis sieben Prozent. Es ist die zweite Senkung der Prognose. Finanzchef Jürgen Rittersberger erwartet, dass das vierte Quartal besser ausfällt als das dritte. Zum Vergleich: Konkurrent Mercedes erzielte im dritten Quartal 1,52 Milliarden Euro Gewinn. BMW legt seine Zahlen erst nächste Woche vor.

Besonders stark gingen die Auslieferungen in China zurück, um 24,5 Prozent in den ersten neun Monaten. In Nordamerika sank die Zahl um 17,3 Prozent, während sich Deutschland und das übrige Europa leicht positiv entwickelten. Audi führt die schwächere Nachfrage in China vor allem auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zurück. Hinzu kommen der wachsende Wettbewerb, chinesische Exporte nach Europa, die Umstellung der Einstiegsmodelle, die Lage im Nahen Osten, höhere Energiekosten und US-Zölle, die Audi zuletzt rund 1,2 Milliarden Euro kosteten. Bei den Elektrofahrzeugen lieferte Audi weltweit zwölf Prozent weniger vollelektrische Fahrzeuge aus, Plug-in-Hybride legten dagegen um 103 Prozent zu.

Um die Kosten zu senken, will Audi an den Stellen ansetzen. Die im vergangenen Jahr geschlossene Zukunftsvereinbarung sieht den Abbau tausender Jobs in Deutschland vor. Bis Ende 2029 sollen bis zu 7500 Stellen in indirekten Bereichen sozialverträglich abgebaut werden. Anfang Oktober kündigte Audi an, die Schlechtwetterklausel zu nutzen und weitere Einsparungen mit der Arbeitnehmerseite zu besprechen. Laut Betriebsrat sind betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2033 ausgeschlossen, und diese Regelung soll nicht Gegenstand der Gespräche sein. Im Raum steht sogar das Aus des Werks in Neckarsulm. Finanzchef Rittersberger sagte, man setze auf konsequente Kostendisziplin, weniger Komplexität und effizientere Strukturen.

Für Diskussionen sorgt der Auftritt von Konzernchef Gernot Döllner zusammen mit US-Präsident Donald Trump am Rande von Verhandlungen zu einem Werk im US-Bundesstaat Georgia. Dort plant Audi Investitionen von rund vier Milliarden US-Dollar und rund 4500 Arbeitsplätze; der Bau soll 2027 beginnen, die Produktion in den frühen 2030er-Jahren. Der Volkswagen-Aufsichtsrat muss dem Vorhaben noch zustimmen. Döllner verteidigte seinen Auftritt im Interesse des Unternehmens, man sei um die gemeinsame Vorstellung der Pläne gebeten worden. Audi erklärte, der Auftritt habe Fragen ausgelöst, und die Produktion in den USA sei keine Entscheidung gegen Deutschland. Kritiker werfen Döllner vor, gegen Audis eigene Regeln zu solchen Auftritten verstossen zu haben. Der Auftritt fand kurz vor den US-Zwischenwahlen am 3. November statt.

Quellen

auto motor und sport: Nur knapp den roten Zahlen entkommen: Audi-Gewinn bricht in Q3 dramatisch ein

blue News: Audi rutscht fast in die roten Zahlen

Nau.ch: Audi rutscht fast in die roten Zahlen

NZZ: Audi vermeidet nur knapp die roten Zahlen

20 Minuten: 87 Prozent weniger: Audi-Gewinn bricht drastisch ein

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