Übermüdung auch bei Schweizer Piloten: Aeropers fordert strengere Regeln
Der Schweizer Pilotenverband Aeropers bestätigt, dass Übermüdung und fehlende Meldungen auch bei hiesigen Piloten verbreitet sind. Die Swiss betont, die Sicherheit stehe an erster Stelle, während Aeropers strengere Regeln verlangt.
Die Umfrage der europäischen Cockpitvereinigung ECA wurde im August 2026 durchgeführt und umfasst rund 7200 Pilotinnen und Piloten europäischer Airlines. Die Studie der Beratungsgesellschaft Baines Simmons im Auftrag der ECA zeigt zudem, dass 36,8 Prozent der Befragten nicht ausreichend Ruhezeit erhalten, um einer zunehmenden Übermüdung vorzubeugen. Eine vergleichbare Umfrage vor drei Jahren hatte ein ähnliches Ergebnis gezeigt.
Bei der Meldung von ermüdungsbedingter Fluguntauglichkeit zeigt die Umfrage ebenfalls Schwächen: Nur 37,2 Prozent geben an, sich in solchen Fällen tatsächlich fluguntauglich zu melden. Als Grund wird die Sorge vor Bestrafungen oder Vergeltungsmassnahmen durch das Management genannt. Der Schweizer Pilotenverband Aeropers bestätigt auf Anfrage, dass dies auch für hiesige Piloten gilt, und sagt: «Besser geworden ist es nicht.» Als Ursache nennt Aeropers den Kostendruck der Airlines, da die Kerosinpreise kaum beeinflussbar seien und das Personal dadurch zunehmend unter Druck gerate.
Die Swiss schreibt auf Anfrage, die Sicherheit der Gäste und der Crews stehe an erster Stelle. Wirtschaftliche Überlegungen dürften nie auf Kosten der Sicherheit oder der Erholung der Crews gehen. Die Regeln für Dienst- und Ruhezeiten seien strenger als gesetzlich vorgeschrieben. Wer sich wegen Erschöpfung nicht fit für einen sicheren Flug fühle, müsse sich vom Dienst abmelden. Zusätzlich gibt es ein internes Meldesystem, dessen Meldungen eine Arbeitsgruppe mit Fachleuten und den Sozialpartnern auswertet und bei Bedarf Anpassungen an der Einsatzplanung empfiehlt.
Aeropers geht dies zu wenig weit und will sich künftig für strengere Regeln einsetzen, da Übermüdung sicherheitsrelevant sei. Als Beispiel nennt der Verband einen Flug der Asiana Airlines von Seoul nach San Francisco im Jahr 2013, der in einer Bruchlandung endete. Drei Passagiere starben, 181 Personen wurden verletzt. Die für Sicherheit zuständige Vorständin der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit, Anja Granvogl, sagt: «Flugsicherheit darf weder vom wirtschaftlichen Druck einer Fluggesellschaft noch vom Mut einzelner Pilotinnen und Piloten abhängen».
Quellen
Blick: Drei von vier Piloten fallen im Cockpit in Sekundenschlaf
SRF News: Übermüdete Piloten – Jeder dritte Pilot fühlt sich nicht erholt
SRF News: Übermüdete Piloten – Drei von vier Piloten fallen während des Fluges in Sekundenschlaf
20 Minuten: Jeder vierte Pilot fliegt, obwohl er zu müde ist
Tages-Anzeiger: Überlastung am Himmel: 24 Prozent der befragten Piloten fliegen trotz Müdigkeit
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