Schweizer Bauteile stecken laut Kiew auch in der Jet-Drohne Geran-4
Der ukrainische Militärgeheimdienst hat in der Jet-Drohne Geran-4 zehn Bauteile der Schweizer Firmen STMicroelectronics und U-blox gefunden. Der Sanktionsberater des ukrainischen Präsidenten fordert von der Schweiz ein härteres Vorgehen.
Die Geran-4 ist eine Weiterentwicklung der iranischen Shahed-Drohne mit Jet-Antrieb. Sie erreicht höhere Geschwindigkeiten und kann laut den ukrainischen Behörden regelmässig die Flugabwehr durchbrechen. Gemäss dem Militärgeheimdienst sind in der Angriffsdrohne insgesamt zehn Bauteile der Firmen STMicroelectronics und U-blox verbaut. Insgesamt hat die Ukraine Bestandteile von elf Schweizer Firmen in Analysen diverser russischer Waffen gefunden, darunter auch in nordkoreanischen ballistischen Raketen. Die Funde aus dem Frühjahr, dem September und dem Oktober veröffentlicht der Geheimdienst in einer öffentlich zugänglichen Datenbank.
Vladyslav Vlasiuk, Berater für internationale Sanktionen des ukrainischen Präsidenten, sagte, Fachleute, die seit 2022 Trümmer russischer Waffen untersuchen, fänden Teile von Schweizer Unternehmen in 95 Prozent der russischen Drohnen und Raketen, hauptsächlich von STMicroelectronics und U-blox. Es handle sich um industrielle Massenprodukte wie Mikrocontroller, Spannungsumwandler, Sensoren und Speicherchips. Diese Bauteile sind laut der Ukraine kein Kriegsmaterial und auch kein Dual-Use-Gut, werden militärisch aber zunehmend relevant. Die EU setzte sie zusammen mit den G7-Staaten auf eine gemeinsame Sanktionsliste, die die Schweiz übernommen hat.
Vlasiuk kritisiert, die Schweiz tue zu wenig, um Lieferungen nach Russland zu unterbinden. Er fordert, die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten und die Exportkontrollstellen zu stärken. Die Antwort des Bundesrats, Produktion und Lieferungen kämen nicht aus der Schweiz, wäre 2023 gut gewesen, aber nicht 2026, sagte er. Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco teilte auf Anfrage mit, es sei sich der Problematik bewusst. Der Export der Güter nach Russland, auch indirekt, sei verboten. Schweizer Unternehmen seien verpflichtet, bei Verkäufen in Drittländer vertraglich zu verbieten, dass die Waren weiter nach Russland gelangen.
STMicroelectronics erklärte, das Unternehmen verfüge über ein globales Compliance-Programm und habe seit Ende Februar Massnahmen zur Umsetzung der Sanktionen ergriffen. U-blox verurteilt den russischen Angriff nach eigenen Angaben scharf, hat Verkäufe in die Länder der Eurasischen Wirtschaftsunion gestoppt und arbeitet seit 2021 mit Conflict Armament Research zusammen. Es gibt Hinweise, dass die Bauteile über China nach Russland gelangen. Vertriebspartner aus China sollen die Waren liefern. Einige Schweizer Firmen lassen ihre Produkte teilweise in China herstellen, wo die Kontrolle über den weiteren Vertrieb schwieriger ist.
Quellen
Nau.ch: Von elf Firmen: Auch neue russische Waffen haben Schweizer Teile
20 Minuten: Russlands berüchtigte Jet-Drohne fliegt dank Schweizer Bauteilen
zentralplus: Schweizer Teile in russischen Waffen
SRF News: Drohnen-Krieg in der Ukraine – Schweizer Teile auch in neuen russischen Waffen entdeckt
SRF News: Drohnen-Krieg in der Ukraine – Schweizer Bauteile auch in neuen russischen Waffen entdeckt
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