Just Eat plant Entlassungen von mehreren Hundert Kurieren – Zahl steht noch nicht fest

Der Essenslieferdienst Just Eat will in der Schweiz von rund 700 Angestellten mehrere Hundert entlassen und künftig vermehrt mit Selbstständigen arbeiten. Wie viele Stellen tatsächlich betroffen sind, soll erst nach dem laufenden Konsultationsverfahren feststehen.

Just Eat will sein Modell in der Schweiz grundlegend umbauen. Statt mit fest angestellten Kurieren will der Lieferdienst künftig vermehrt mit selbstständigen und externen Flottenpartnern arbeiten. Laut Just-Eat-Schweiz-Chef Lukas Streich ist es keine Sparmassnahme, sondern eine Reaktion auf das veränderte Bestellverhalten: Kundinnen und Kunden wollen auch nachts oder ausserhalb klassischer Essenszeiten bestellen. Mit den bisherigen, zwei Wochen im Voraus geplanten Schichten sei das nicht wirtschaftlich möglich. Für Betroffene ist ein Sozialplan vorgesehen; sie können sich zudem als Selbstständige um Lieferaufträge bewerben.

Am Donnerstag protestierten Dutzende Kuriere zusammen mit der Gewerkschaft Syndicom und Vertreterinnen und Vertretern der Unia vor dem Hauptsitz am Zürcher Manesseplatz. Die Organisatorin der Demonstration, eine 23-jährige Mitarbeiterin, befürchtet, dass viele Kolleginnen und Kollegen ihre Wohnung verlieren oder das Land verlassen müssen. Die Demonstrierenden fordern, den Umstieg zu widerrufen, «oder dass wir zumindest eine höhere Abfindung erhalten». Ein Fahrer sagt, er habe sich extra Velos für den Job gekauft. Zwei Fahrer, die seit mehr als drei Jahren ausliefern, schauen sich nach anderen Jobs um.

Syndicom kritisiert, der Umbau sei ein Angriff auf die Arbeitsbedingungen in der Branche. Just Eat habe bislang gezeigt, dass Essenslieferungen auch mit Festanstellungen, Stundenlohn und Sozialversicherungen möglich seien. Die Unia fordert das Unternehmen auf, sich an das Gesetz und den geltenden Gesamtarbeitsvertrag zu halten und auf den Einsatz von Scheinselbstständigen zu verzichten.

Just Eat schreibt, der Schritt diene dazu, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit im Schweizer Markt zu sichern, und man halte sich an die gesetzlichen Vorgaben. Die Partei AL verweist auf einen Bundesgerichtsentscheid, der Kuriere von Uber Eats als Arbeitnehmende qualifiziert. Das laufende Konsultationsverfahren soll bis zu seinem Abschluss die genaue Zahl der betroffenen Stellen klären.

Quellen

blue News: Proteste gegen Lieferdienst Just Eat – diese Verantwortung haben die Kundinnen

20 Minuten: Proteste nach Massenkündigung: «Haben uns extra Velos gekauft»

Blick: Just-Eat-Fahrer packen über Entlassungen aus

Blick: Das fordern die Gewerkschaften

Blick: Kuriere wehren sich gegen Massenentlassung

Tsüri: «Just Starve»: Kurier:innen protestieren vor Just-Eat-Hauptsitz gegen Entlassungen

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