Wohnungsknappheit verzögert die Gründung von Zehntausenden Haushalten
Wegen fehlendem bezahlbarem Wohnraum haben in der Schweiz Zehntausende Menschen die Gründung eines eigenen Haushalts aufgeschoben. Laut dem Immobilienberater Wüest Partner könnten 20'000 bis 30'000 Haushalte mehr bestehen, wenn genügend Wohnungen verfügbar wären.
Die Schätzung von Wüest Partner gilt als vorsichtig. Bei einem weniger angespannten Wohnungsmarkt könnten sogar 40'000 bis 50'000 zusätzliche Haushalte entstehen. Besonders betroffen sind junge Erwachsene, die länger bei den Eltern wohnen oder sich eine Wohnung mit anderen Personen teilen. Auch getrennte Paare können sich teilweise keine zweite Wohnung leisten.
Die Knappheit verlagert die Nachfrage in günstigere Regionen. Der Kanton Zürich verliert mittlerweile jährlich netto rund 3500 Einwohner an andere Kantone, insbesondere an den Aargau, den Thurgau und Schaffhausen. Vor der Pandemie hatte Zürich noch jährlich rund 1850 Personen aus anderen Kantonen hinzugewonnen. Der Nettozuzug der 15- bis 34-Jährigen nach Zürich hat sich auf rund 2750 Personen pro Jahr halbiert. Seit 2022 sinkt zudem der Anteil der allein lebenden jungen Erwachsenen, besonders in Zürich, Schwyz und Zug.
Eine Entspannung ist trotz der anziehenden Bautätigkeit vorerst nicht in Sicht. Wüest Partner rechnet für 2026 mit einem Nettozugang von rund 45'000 Wohnungen, für 2027 mit etwa 50'000. Dem stehen zuletzt rund 40'000 neu gegründete Haushalte pro Jahr gegenüber. Das zusätzliche Angebot dürfte jedoch aufgeschobene Haushaltsgründungen ermöglichen und damit neue Nachfrage auslösen. Im dritten Quartal 2026 lagen die Angebotsmieten schweizweit 1,9 Prozent über dem Vorjahresniveau, obwohl die Zahl der ausgeschriebenen Mietwohnungen den höchsten Stand seit Anfang 2024 erreichte. Einzig in der Stadt Zürich gingen die Angebotsmieten um 1,7 Prozent zurück, was nach Einschätzung von Wüest Partner darauf hindeuten könnte, dass eine für viele Haushalte kaum mehr tragbare Preisgrenze erreicht wurde.
Für 2027 erwarten die Immobilienexperten schweizweit einen weiteren Anstieg der Angebotsmieten um 0,9 Prozent, während die Mieten bestehender Mietverhältnisse stabil bleiben dürften. Auch beim Wohneigentum setzt sich die Verteuerung fort: Eigentumswohnungen kosteten im dritten Quartal 5,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Einfamilienhäuser 3,2 Prozent mehr. Für 2027 prognostiziert Wüest Partner Preissteigerungen von 3,5 beziehungsweise 3,1 Prozent.
Quellen
Nau.ch: Wohnungsknappheit bremst die Haushaltsbildung
blue News: Wohnungsknappheit bremst die Haushaltsbildung
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