Erneuerung der Migrationssoftware Zemis des Bundes wird auf 193 Millionen Franken teurer
Die Eidgenössische Finanzkontrolle warnt bei der Erneuerung des Migrationsregisters Zemis vor weiteren Kosten und Verzögerungen. Die Kosten werden inzwischen auf 193 Millionen Franken geschätzt, und die Prüfer stufen das Projekt als kritisch ein.
Zemis ist das zentrale Register für ausländische Staatsangehörige in der Schweiz und wird vom Staatssekretariat für Migration SEM betrieben. Rund 30’000 Mitarbeitende bei Bund, Kantonen und Gemeinden nutzen es täglich, etwa für Asylverfahren oder Einbürgerungen. Die Technik ist teilweise 20 Jahre alt und muss dringend ersetzt werden.
Ursprünglich sollte die Erneuerung 2027 abgeschlossen sein. Nach einer Neuplanung wurde daraus 2032, doch auch dieser Termin ist laut Finanzkontrolle nicht mehr realistisch. Die einzelnen Projekte sind aufwendiger als erwartet, die finanziellen Reserven sind bereits stark beansprucht. Der Bundesrat hat die Mittel für 2027 und 2028 um 17,9 Millionen Franken gekürzt, weitere Einsparungen sind geplant. Jedes zusätzliche Jahr Verzögerung verursacht laut Finanzkontrolle Kosten von rund 25 Millionen Franken, der parallele Betrieb der alten und neuen Systeme kostet zudem jährlich rund 5 Millionen Franken zusätzlich.
Hinzu kommt Personalmangel: Fachleute können teilweise nur 30 bis 60 Prozent der zugesagten Arbeitszeit für das Projekt aufbringen. Zudem ist das System nicht darauf ausgelegt, neue Vorgaben zu erfüllen, die sich aus einem allfälligen Ja zu den neuen EU-Verträgen ergeben. Projektprüfer Patrick Treichler sagt: «Mit jeder Verzögerung steigen natürlich die Risiken für Systemausfälle, die direkt die Geschäftsfähigkeit des SEM betreffen.»
Das SEM stimmt dem Grundanliegen zu, das System so schnell wie möglich zu erneuern, und akzeptiert die Empfehlungen der Finanzkontrolle. Es sei keine Alternative zur Erneuerung vorhanden, das bestehende System sei technisch veraltet. SEM-Sprecherin Magdalena Baker warnt, dass die Geschäftsfähigkeit des SEM gefährdet wäre, sollten die Mittel in den Folgejahren weiter gekürzt werden. Das SEM wird nun die Planung überarbeiten und die Finanzierung klären. Auch andere Bundesprojekte sind von den Sparmassnahmen betroffen, darunter DigiSanté und die KI-Strategie des Bundes.
Quellen
SRF News: EFK-Bericht – Kostenexplosion bei neuem Migrationssystem
SRF News: Sparmassnahmen des Bundes – IT-Projekt der Schweizer Migrationsbehörden unter Druck
20 Minuten: 193 Millionen statt 66: Nächstes IT-Projekt des Bundes kritisch
zentralplus: EFK-Bericht zu neuer Software bei SEM
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