Forschungsprogramm NCCS-Impacts liefert neue Grundlagen zu Klimarisiken in der Schweiz
Das Programm «NCCS-Impacts» hat neue wissenschaftliche Grundlagen vorgelegt, mit denen Behörden Klimarisiken für Gesundheit, Natur, Wirtschaft und Infrastruktur besser einschätzen und Anpassungsmassnahmen gezielter planen können.
Das am Donnerstag abgeschlossene Programm erarbeitete laut dem National Centre for Climate Services (NCCS) in fünf sektorübergreifenden Projekten wissenschaftliche Grundlagen und praktische Instrumente. Mehr als 100 Personen aus über 20 Organisationen waren beteiligt, darunter Bundesstellen, Forschungsinstitutionen sowie Partner aus Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen und Praxis. Für die Projektarbeiten und die Koordination wurden rund neun Millionen Franken eingesetzt. Die Ergebnisse wurden am Forum Klima Schweiz in Bern präsentiert. Jürg Füssler vom Forschungs- und Beratungsunternehmen Infras sagte dort: «Der Klimawandel ist heute bereits spürbar». Meteoschweiz-Direktor Stefan Uhlenbrook ergänzte: «Da kommt einiges auf uns zu».
Laut dem Programm nehmen die Risiken in mehreren Bereichen zu. Bis 2060 wird eine deutlich höhere hitzebedingte Sterblichkeit erwartet, was das Gesundheitssystem stärker belasten könnte; die steigenden Temperaturen treffen dabei auf eine alternde Bevölkerung. In der Landwirtschaft können zunehmende Sommertrockenheit, Schädlinge und Krankheiten die Erträge beeinträchtigen. Klimafolgen im Ausland können zudem die Versorgung der Schweiz mit importierten Gütern gefährden. Auch für Gebäude sowie kritische Infrastrukturen wie Verkehrswege und Stromversorgung steigen die Risiken. Die wirtschaftlichen Kosten nehmen sowohl durch direkte Klimafolgen in der Schweiz als auch durch Auswirkungen auf internationale Lieferketten zu.
Das Programm entwickelte sozioökonomische Szenarien, die mögliche Entwicklungen von Gesellschaft und Wirtschaft bis zum Ende des Jahrhunderts beschreiben. Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sollen damit verschiedene Zukunftsszenarien und Anpassungsmassnahmen vergleichen können. Zudem entstanden digitale Anwendungen: Am Inselspital Bern wurde ein Prognoseinstrument entwickelt, das während Hitzewellen die erwartete Zahl der Notfallbesuche abschätzt, sodass Spitäler ihre Ressourcen gezielter planen können. Das Webtool «Urban Heat Vulnerability» zeigt auf Karten, wo sich Hitze besonders stark mit den Wohn- und Aufenthaltsorten gefährdeter Bevölkerungsgruppen überschneidet. Die Ergebnisse sollen Bund, Kantonen, Gemeinden und weiteren Akteuren helfen, Klimarisiken bei ihren Entscheidungen zu berücksichtigen.
Quellen
watson: Ernteausfälle, Hitzetote: Klimawandel erhöht Risiken für Schweiz in vielen Bereichen
blue News: Klimawandel erhöht Risiken für Schweiz in vielen Bereichen
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