Der Anteil Alleinerziehender in der städtischen Sozialhilfe nimmt zu
Alleinerziehende sind in Schweizer Städten überdurchschnittlich häufig auf Sozialhilfe angewiesen. Das zeigt der am Dienstag veröffentlichte Kennzahlenbericht der Städteinitiative Sozialpolitik.
Der Bericht vergleicht jährlich die Sozialhilfe in 14 Städten. In vielen dieser Städte bezieht rund ein Viertel der Einelternhaushalte mit minderjährigen Kindern Sozialhilfe. Das Armutsrisiko ist für diese Haushalte fast fünfmal so hoch wie für alle Haushalte insgesamt. Mehrheitlich sind es Frauen mit ihren Kindern. Deren Anteil an allen minderjährigen Unterstützten stieg seit 2010 von 52 auf 59 Prozent. Viele Alleinerziehende erhalten Sozialhilfe zusätzlich zu ihrem Lohn, weil dieser für den Familienunterhalt nicht reicht.
Als Hauptgrund für lange Abhängigkeit nennt der Bericht fehlende Berufsabschlüsse. Laut Michelle Beyeler von der Universität Zürich haben 70 Prozent der Alleinerziehenden in der Sozialhilfe keine anerkannte Ausbildung, und eine solche nachzuholen sei oft sehr schwierig. «Bildung ist der Faktor zur Vermeidung von Sozialhilfebezug.» Zudem fehle es an passenden Ausbildungsangeboten, kritisieren die städtischen Sozialdienste. Erschwerend kommt die Betreuungssituation hinzu: Gut die Hälfte der Sozialdienste meldet einen Mangel an freien Plätzen. Viele Kindertagesstätten schliessen am frühen Abend, während Alleinerziehende häufig im Verkauf, im Service oder in der Pflege zu Randzeiten oder an Wochenenden arbeiten.
Gute Erfahrungen machen die Städte mit Familienergänzungsleistungen. Diese trügen stark dazu bei, dass die Verweildauer in der Sozialhilfe kürzer sei, sagte Nicolas Galladé, Präsident der Städteinitiative Sozialpolitik. Die Sozialhilfequote über alle 14 Städte lag im Jahr 2025 bei stabilen 3,9 Prozent und ging gegenüber dem Vorjahr leicht zurück. Die Städteinitiative betont, dass die Unterstützung von Einelternfamilien über die Sozialhilfe hinausgehen müsse, und fordert Anpassungen in der Familien-, Bildungs- und Wohnungspolitik.
Der Bericht basiert auf der Schweizerischen Sozialhilfestatistik und wird seit 1999 herausgegeben. Diese Statistik befindet sich derzeit in einer Modernisierungsphase, weshalb Veränderungen nur beschränkt aussagekräftig sind.
Quellen
Nau.ch: Städte-Bericht: Alleinerziehende brauchen besonders oft Sozialhilfe
zentralplus: Alleinerziehende im Fokus der Städte
blue News: Anteil von Alleinerziehenden in städtischer Sozialhilfe nimmt zu
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